Wie schnell vermehren sich Asseln?

Wer mit einer Asselzucht beginnt, möchte meistens möglichst schnell die ersten Jungtiere entdecken. Wie lange es dauert, bis aus einem kleinen Zuchtansatz eine große Population entsteht, unterscheidet sich allerdings erheblich.

Neben den Haltungsbedingungen spielt vor allem die Asselart beziehungsweise Gattung eine große Rolle. Während manche Asseln innerhalb weniger Monate eine enorme Population aufbauen können, benötigen andere deutlich länger.

Wovon hängt die Vermehrungsgeschwindigkeit ab?

Wie schnell eine Asselzucht wächst, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören insbesondere Temperatur, Feuchtigkeit, Futterangebot, Alter und Größe der Ausgangsgruppe sowie natürlich die jeweilige Art.

Auch eine neu angesetzte Kultur benötigt häufig zunächst etwas Zeit. Selbst bei sehr produktiven Arten bedeutet das nicht, dass wenige Wochen nach dem Einsetzen bereits Hunderte Tiere vorhanden sind.

Sobald mehrere Generationen gleichzeitig Nachwuchs produzieren, kann sich das Wachstum allerdings erheblich beschleunigen.

Porcellio – häufig sehr vermehrungsfreudig

Viele Porcellio-Arten können sich unter geeigneten Bedingungen ausgesprochen gut vermehren. Ist eine Zucht erst einmal etabliert, kann die Population entsprechend schnell wachsen.

Bei mir zeigt beispielsweise Porcellio laevis „Panda“ eine sehr gute Vermehrung. Aus einer zunächst überschaubaren Gruppe kann dadurch mit der Zeit eine große Zahl an Tieren entstehen.

Trotzdem sollte man nicht davon ausgehen, dass sich jede Art der Gattung Porcellio exakt gleich verhält. Auch innerhalb einer Gattung können sich Entwicklungsgeschwindigkeit und Reproduktionsrate unterscheiden.

Porcellionides – schnell kann wirklich schnell bedeuten

Auch Porcellionides gehören nach meiner Erfahrung zu den Asseln, bei denen eine Population sehr schnell anwachsen kann.

Ein bekanntes Beispiel ist Porcellionides pruinosus. Stimmen die Bedingungen, können regelmäßig Jungtiere auftreten und mehrere Generationen relativ schnell aufeinander folgen.

Das ist einer der Gründe, warum solche Asseln auch als Bodenpolizei interessant sind. Gleichzeitig sollte man ihre Vermehrungsfreudigkeit berücksichtigen, wenn mehrere Asselarten gemeinsam gehalten werden: Eine sehr produktive Art kann langsamere Arten langfristig verdrängen.

Armadillidium – ebenfalls recht zügig

Auch Armadillidium können sich durchaus zügig vermehren. Sie würde ich deshalb nicht grundsätzlich in die Kategorie der langsam vermehrenden Asseln einordnen.

Bei gut laufenden Kulturen kann auch hier regelmäßig Nachwuchs auftreten und sich eine ordentliche Population entwickeln.

Wie bei Porcellio gilt allerdings: Die konkrete Art und die Haltungsbedingungen machen einen Unterschied. Die Gattung allein ist deshalb keine Garantie dafür, dass jeder Zuchtansatz gleichermaßen schnell wächst.

Cubaris – eher Geduld mitbringen

Bei vielen im Hobby gehaltenen Cubaris sieht die Sache anders aus. Hier sollte man eher mit einer langsameren Entwicklung der Population rechnen.

Das bedeutet nicht, dass eine gut laufende Cubaris-Zucht kaum Nachwuchs produziert. Der Aufbau einer wirklich großen Population kann aber deutlich mehr Zeit benötigen als beispielsweise bei sehr produktiven Porcellio oder Porcellionides.

Gerade bei einer kleinen Ausgangsgruppe sollte deshalb nicht zu früh mit regelmäßigen Entnahmen begonnen werden. Erst wenn die Zucht stabil läuft und mehrere Generationen vorhanden sind, würde ich größere Mengen abgeben.

Und wie sieht es bei Trichorhina aus?

Trichorhina, insbesondere die häufig als „Weiße Asseln“ bezeichneten Tiere, werden sehr oft als Bodenpolizei in Terrarien eingesetzt.

Bei meinen eigenen separaten Ansätzen würde ich die Vermehrung allerdings eher als mittelmäßig beschreiben. Die Tiere vermehren sich durchaus, entwickeln bei mir aber normalerweise keine derart explosionsartigen Populationen wie manche anderen Asseln.

Interessanterweise sieht das in einigen anderen Zuchtbehältern ganz anders aus. In meiner Pfefferschaben-Box und bei den Keniaschaben haben sich die weißen Asseln beispielsweise ausgesprochen gut etabliert und stark vermehrt.

Das zeigt ziemlich schön, wie sehr die tatsächliche Populationsentwicklung von den vorhandenen Bedingungen abhängen kann. Eine Art, die in einem eigenen Ansatz eher gemächlich läuft, kann unter anderen Bedingungen plötzlich erheblich produktiver sein.

Wann sieht man die ersten Jungtiere?

Hier lässt sich keine zuverlässige Anzahl von Tagen oder Wochen nennen. Schon der Zustand der gekauften Tiere macht einen großen Unterschied.

Befinden sich bereits fortpflanzungsfähige oder sogar trächtige Weibchen in der Ausgangsgruppe, können Jungtiere entsprechend schnell auftauchen. Besteht der Ansatz überwiegend aus jüngeren Tieren, dauert es zwangsläufig länger.

Deshalb würde ich eine neu gestartete Zucht nicht danach beurteilen, ob nach wenigen Wochen bereits eine große Zahl Jungtiere vorhanden ist.

Wann kann man von einer gut laufenden Zucht sprechen?

Einzelne Jungtiere sind zunächst ein gutes Zeichen, bedeuten aber noch nicht automatisch, dass sich eine stabile Population entwickelt hat.

Interessanter wird es, wenn regelmäßig Nachwuchs unterschiedlicher Größen zu sehen ist. Dann sind mehrere Entwicklungsstadien gleichzeitig vorhanden und die Population beginnt, sich dauerhaft selbst zu erhalten.

Ab diesem Punkt kann das Wachstum bei produktiven Arten erheblich schneller werden, weil nicht mehr nur die ursprünglichen Tiere für Nachwuchs sorgen.

Kann man die Vermehrung beschleunigen?

Die sinnvollste Methode ist nicht, möglichst viel Futter in den Behälter zu geben oder die Temperatur pauschal stark zu erhöhen. Stattdessen sollten zunächst die passenden Bedingungen für die jeweilige Art geschaffen werden.

Dazu gehören ein geeigneter Feuchtigkeitsgradient, dauerhaft vorhandenes Laub und weißfaules Holz, zusätzliche Nahrung sowie ausreichend Versteckmöglichkeiten.

Vor allem sollte eine junge Zucht zunächst in Ruhe wachsen dürfen. Wer ständig Tiere entnimmt, sobald die ersten Jungtiere größer werden, verlängert natürlich die Zeit, bis eine wirklich große Population entsteht.

Fazit

Wie schnell sich Asseln vermehren, hängt stark von Art und Haltungsbedingungen ab. Eine allgemeine Angabe wie „nach drei Monaten hat sich die Population verdoppelt“ wäre deshalb wenig sinnvoll.

Nach meiner Erfahrung gehören viele Porcellio und Porcellionides zu den eher schnell vermehrenden Asseln. Auch Armadillidium können recht zügig stabile Populationen aufbauen. Bei Cubaris ist dagegen häufig deutlich mehr Geduld gefragt.

Trichorhina liegen bei mir etwas dazwischen: In eigenen Zuchtansätzen vermehren sie sich zuverlässig, aber eher unspektakulär – während sie sich unter passenden Bedingungen in einigen meiner Schabenboxen überraschend stark entwickelt haben.

Gerade dieser Unterschied zeigt, dass die Art zwar einen großen Einfluss hat, am Ende aber immer auch die konkreten Bedingungen darüber entscheiden, wie schnell eine Asselzucht tatsächlich wächst.

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