Warum sterben meine Asseln?

Asseln gelten häufig als unkomplizierte Terrarienbewohner und lassen sich bei passenden Bedingungen problemlos über viele Generationen vermehren. Trotzdem kann es vorkommen, dass einzelne Tiere oder sogar größere Teile einer Kultur sterben. Besonders ärgerlich ist es, wenn die Ursache zunächst nicht offensichtlich ist.

Dabei bedeutet eine tote Assel noch lange nicht, dass mit der Haltung etwas nicht stimmt. Asseln haben eine begrenzte Lebenserwartung und einzelne Verluste gehören auch bei gut laufenden Kulturen dazu. Treten jedoch regelmäßig tote Tiere auf oder bricht der Bestand innerhalb kurzer Zeit deutlich ein, lohnt sich eine genauere Suche nach der Ursache.

Die häufigsten Ursachen für sterbende Asseln

Zu trockene Haltung

Eine der häufigsten Ursachen ist eine zu geringe Feuchtigkeit. Asseln gehören zu den Krebstieren und sind auf ausreichend feuchte Bedingungen angewiesen. Besonders während der Häutung können zu trockene Bedingungen problematisch werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das gesamte Substrat dauerhaft nass sein sollte. Für viele Arten hat sich ein Feuchtigkeitsgradient bewährt: Ein Bereich wird konstant feucht gehalten, während andere Bereiche deutlich trockener sein dürfen.

Die Tiere können dadurch selbst den für sie passenden Aufenthaltsort wählen.

Wie feucht eine Kultur gehalten werden sollte, hängt außerdem von der jeweiligen Art ab. Eine pauschale Feuchtigkeitsempfehlung für alle Asseln gibt es daher nicht.

Zu nasse Haltung und Staunässe

Auch das Gegenteil kann zum Problem werden. Ist das komplette Substrat dauerhaft durchnässt, fehlen den Asseln trockenere Rückzugsmöglichkeiten.

Besonders problematisch wird es, wenn sich Wasser im unteren Bereich des Behälters sammelt und das Substrat zunehmend anaerob wird. Unangenehmer oder fauliger Geruch ist ein deutliches Warnzeichen.

Deshalb sollte das Substrat zwar ausreichend Feuchtigkeit speichern können, aber nicht permanent vollständig mit Wasser gesättigt sein.

Fehlende Belüftung

Feuchtigkeit und Belüftung müssen zusammen betrachtet werden. Eine geschlossene Box hält die Feuchtigkeit hervorragend, kann aber gleichzeitig für einen zu geringen Luftaustausch sorgen.

Ausreichende Lüftungsflächen helfen dabei, einen funktionierenden Feuchtigkeitsgradienten zu erhalten und Staunässe zu vermeiden.

Wie viel Belüftung sinnvoll ist, hängt wiederum von der gehaltenen Art und der verwendeten Box ab. Arten aus eher trockenen Lebensräumen können beispielsweise eine stärkere Belüftung vertragen als Arten, die dauerhaft hohe Feuchtigkeit benötigen.

Ungeeignetes oder ausgelaugtes Substrat

Das Substrat ist bei einer Asselkultur nicht einfach nur der Boden, auf dem die Tiere leben. Es dient gleichzeitig als Lebensraum und häufig auch als Nahrungsquelle.

Ein geeignetes Asselsubstrat sollte organisches Material enthalten und langfristig eine gute Struktur behalten. Besonders wichtig ist weißfaules Holz, das von vielen Asselarten gefressen wird.

Auch Laub gehört dauerhaft in eine Asselkultur. Es sollte nicht nur gelegentlich als Zusatzfutter angeboten werden, sondern den Tieren ständig zur Verfügung stehen.

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Substrat allerdings. Nahrungsbestandteile werden verbraucht, organisches Material wird zersetzt und gleichzeitig gelangen Ausscheidungen und andere Abbauprodukte hinein. Besonders eine sehr große Asselpopulation kann ihren Lebensraum innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit stark verändern.

Ob ein sogenannter Culture Crash bei älteren Kulturen tatsächlich direkt durch „ausgelaugtes“ Substrat ausgelöst wird, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Wahrscheinlich können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.

Zu wenig Futter

Laub und weißfaules Holz bilden für viele Asseln eine wichtige Nahrungsgrundlage. Zusätzlich können je nach Art weitere pflanzliche und proteinreiche Futtermittel angeboten werden.

Besonders stark wachsende Kulturen können erstaunliche Mengen Futter verbrauchen. Was für 20 Asseln problemlos ausgereicht hat, muss für einige hundert Tiere nicht mehr genügen.

Deshalb lohnt es sich, regelmäßig zu kontrollieren, wie schnell angebotenes Futter verschwindet.

Aber auch zu viel Futter kann Probleme verursachen

Mehr Futter ist nicht automatisch besser.

Bleiben größere Mengen Zusatzfutter über längere Zeit in der Box liegen, können sie schimmeln oder verderben. Außerdem können sich unerwünschte Begleitorganismen stark vermehren.

Zusatzfutter sollte deshalb lieber in überschaubaren Mengen angeboten und bei Bedarf nachgelegt werden.

Fehlendes Calcium

Asseln benötigen Calcium unter anderem für ihren Panzer. Eine geeignete Calciumquelle sollte deshalb dauerhaft zur Verfügung stehen.

Geeignet ist beispielsweise Sepiaschale. Auch andere Calciumquellen können verwendet werden.

Ein Calciummangel muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass plötzlich eine komplette Kultur stirbt. Langfristig können Probleme bei der Versorgung aber die Entwicklung und insbesondere die Häutung beeinträchtigen.

Probleme bei der Häutung

Asseln häuten sich während ihres Wachstums regelmäßig. Anders als viele andere Gliederfüßer häuten sie dabei nicht ihren gesamten Körper gleichzeitig: Zunächst wird die hintere und anschließend die vordere Körperhälfte gehäutet.

Während dieser Zeit sind die Tiere besonders empfindlich.

Probleme bei der Häutung können wiederum nur ein Symptom sein. Unpassende Feuchtigkeit, schlechte Ernährung oder eine unzureichende Mineralstoffversorgung können dazu beitragen, dass eine Häutung nicht erfolgreich abgeschlossen wird.

Findet man wiederholt Tiere, die während der Häutung gestorben zu sein scheinen, sollte deshalb nicht nur die Häutung selbst, sondern die gesamte Haltung überprüft werden.

Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen

Auch die Temperatur kann eine Rolle spielen. Welche Temperaturen geeignet sind, hängt stark von der jeweiligen Asselart ab.

Besonders im Sommer können kleine Zuchtboxen deutlich wärmer werden als erwartet. Direkte Sonneneinstrahlung sollte deshalb unbedingt vermieden werden.

Umgekehrt können niedrige Temperaturen die Aktivität und Vermehrung vieler Arten deutlich reduzieren. Das sieht dann möglicherweise nach einem Problem mit der Kultur aus, obwohl die Tiere lediglich weniger aktiv sind.

Eine zu kleine Ausgangsgruppe

Nicht immer sterben plötzlich ungewöhnlich viele Tiere. Manchmal fällt lediglich auf, dass eine kleine Kultur über Monate immer kleiner wird.

Besonders bei einer sehr kleinen Ausgangsgruppe können natürliche Verluste problematisch werden, wenn gleichzeitig kaum Nachwuchs entsteht. Bei langsam vermehrenden Arten fällt das stärker ins Gewicht als bei Arten, die innerhalb kurzer Zeit große Populationen aufbauen.

Für eine neue Zucht ist deshalb eine ausreichend große Ausgangsgruppe sinnvoll.

Alte Asseln sterben – und das ist normal

Dieser Punkt wird leicht übersehen.

Wenn eine Kultur ursprünglich aus vielen ähnlich alten Tieren aufgebaut wurde, können später innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums mehrere Tiere altersbedingt sterben. Gleichzeitig können bereits zahlreiche Jungtiere vorhanden sein, die aufgrund ihrer geringen Größe kaum auffallen.

Einige tote adulte Tiere bedeuten deshalb nicht automatisch, dass die gesamte Kultur zusammenbricht.

Entscheidend ist die Entwicklung des Gesamtbestands.

Können alte Asselkulturen plötzlich einbrechen?

Auch zuvor sehr produktive Asselkulturen können nach längerer Laufzeit deutlich schwächer werden oder innerhalb relativ kurzer Zeit viele Tiere verlieren.

Besonders bei stark reproduzierenden Arten kann dieser Effekt auffallen. Eine Kultur wächst zunächst explosionsartig und erreicht eine sehr hohe Populationsdichte. Irgendwann nimmt der Bestand dann deutlich ab.

Dieses Verhalten konnte ich insbesondere bei meinen Porcellio laevis bereits beobachten. Die Art vermehrt sich bei mir ausgesprochen schnell, nach längerer Laufzeit sind große Kulturen jedoch teilweise deutlich eingebrochen.

Warum solche älteren Kulturen einbrechen, lässt sich nicht immer eindeutig auf eine einzelne Ursache zurückführen.

Eine mögliche Erklärung ist die zunehmende Veränderung des Substrats. Eine große Population verbraucht erhebliche Mengen organischen Materials, während gleichzeitig Ausscheidungen und andere Abbauprodukte entstehen. Struktur, Nährstoffangebot und mikrobiologische Bedingungen können sich dadurch mit der Zeit verändern.

Auch die Populationsdichte selbst könnte eine Rolle spielen. Je mehr Tiere auf begrenztem Raum leben, desto größer werden Konkurrenz um Nahrung, geeignete Mikrohabitate und andere Ressourcen.

Hinzu kommt möglicherweise die Altersstruktur: Entstehen während einer starken Vermehrungsphase sehr viele Tiere innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, erreicht später auch ein entsprechend großer Teil dieser Generation ein höheres Alter.

Ob einer dieser Faktoren allein für einen Culture Crash verantwortlich ist oder mehrere Faktoren zusammenspielen, lässt sich anhand solcher Beobachtungen nicht eindeutig feststellen.

Sollte man alte Asselkulturen regelmäßig neu ansetzen?

Gerade bei großen und stark reproduzierenden Kulturen kann es sinnvoll sein, nicht darauf zu warten, bis Probleme auftreten.

Ein Teil der Tiere kann regelmäßig in eine neue Box mit frischem Substrat überführt werden. Dadurch entsteht gleichzeitig eine Sicherheitskultur.

Sollte die ursprüngliche Kultur tatsächlich einbrechen, bleibt eine zweite Population erhalten. Außerdem lässt sich beobachten, ob sich die Tiere auf frischem Substrat wieder stärker vermehren.

Bei seltenen oder langsam reproduzierenden Arten kann eine solche zusätzliche Kultur besonders sinnvoll sein, da ein vollständiger Verlust des Bestands deutlich schwieriger auszugleichen wäre.

Schadstoffe und ungeeignete Materialien

Asseln können empfindlich auf verschiedene Chemikalien reagieren. Vorsicht ist beispielsweise bei Pflanzen geboten, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.

Auch Laub, Holz und andere Naturmaterialien sollten nur aus geeigneten Quellen stammen. Material von stark befahrenen Straßen oder Flächen, auf denen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, ist für eine Asselkultur keine gute Wahl.

Wer neue Pflanzen direkt in ein bioaktives Terrarium einsetzen möchte, sollte ebenfalls berücksichtigen, dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln für die Bodenpolizei problematisch sein können.

Schädlinge und andere Mitbewohner

Milben, Springschwänze und andere Kleinstlebewesen findet man früher oder später in vielen Asselkulturen. Ihre bloße Anwesenheit bedeutet nicht automatisch, dass sie den Asseln schaden.

Eine starke Vermehrung bestimmter Begleitorganismen kann allerdings darauf hinweisen, dass beispielsweise zu viel gefüttert wird oder die Bedingungen in der Box aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Auch hier sollte deshalb zunächst nach der Ursache der Veränderung gesucht werden, statt jeden sichtbaren Mitbewohner automatisch als Schädling zu betrachten.

Warum sterben meine Asseln plötzlich?

Bei einem plötzlichen Massensterben sollte man besonders auf Veränderungen achten.

Wurde kürzlich neues Futter gegeben? Wurde die Box umgestellt? Gab es ungewöhnlich hohe Temperaturen? Wurde neues Laub oder Holz eingebracht? Hat sich die Feuchtigkeit verändert? Wurden Pflanzen oder andere Materialien hinzugefügt?

Wenn eine zuvor über Monate stabile Kultur innerhalb weniger Tage Probleme bekommt, ist eine kürzlich erfolgte Veränderung häufig der beste Ausgangspunkt für die Fehlersuche.

Bei einer bereits sehr alten und großen Kultur sollte allerdings auch berücksichtigt werden, dass möglicherweise kein einzelnes Ereignis verantwortlich ist. Der Bestand kann sich über längere Zeit verändert haben und erst jetzt sichtbar einbrechen.

Was tun, wenn die Asselkultur zusammenbricht?

Bei größeren Verlusten würde ich nicht sofort die komplette Kultur entsorgen. Zunächst sollte versucht werden, die wahrscheinliche Ursache zu finden.

Hilfreich ist eine systematische Kontrolle:

  1. Feuchtigkeit prüfen: Gibt es sowohl feuchte als auch trockenere Bereiche?
  2. Temperatur kontrollieren: Ist die Box möglicherweise zu warm geworden?
  3. Belüftung überprüfen: Sind ausreichend große Lüftungsflächen vorhanden?
  4. Substrat ansehen und riechen: Ist es stark verdichtet, vollständig durchnässt oder riecht es ungewöhnlich?
  5. Futter kontrollieren: Ist ausreichend Laub und weißfaules Holz vorhanden? Liegt verdorbenes Zusatzfutter herum?
  6. Calciumquelle prüfen: Ist dauerhaft Calcium verfügbar?
  7. Letzte Veränderungen durchgehen: Wurde in den vergangenen Tagen oder Wochen etwas Neues eingebracht?
  8. Alter der Kultur berücksichtigen: Läuft die Kultur bereits lange und hatte zuvor eine sehr hohe Populationsdichte?

Ist ein Teil der Kultur noch gesund und die Ursache möglicherweise im bisherigen Behälter zu suchen, kann es sinnvoll sein, einen Teil der Tiere als Sicherheitskultur in eine neue Box mit frischem Substrat zu setzen.

Die ursprüngliche Kultur muss deshalb nicht sofort aufgegeben werden. Gerade dadurch lässt sich beobachten, wie sich alter und neuer Ansatz anschließend entwickeln.

Fazit

Wenn einzelne Asseln sterben, besteht zunächst kein Grund zur Sorge. Problematisch wird es, wenn regelmäßig Tiere sterben, keine Jungtiere mehr nachkommen oder der Bestand innerhalb kurzer Zeit deutlich abnimmt.

Die Ursache ist häufig nicht eine einzelne „Asselkrankheit“, sondern kann in den Haltungsbedingungen liegen. Feuchtigkeit, Belüftung, Temperatur, Substrat und Ernährung sind deshalb die ersten Punkte, die überprüft werden sollten.

Aber auch lange Zeit hervorragend laufende Kulturen können irgendwann schwächer werden oder einbrechen. Warum dies geschieht, ist nicht immer eindeutig festzustellen. Gerade bei sehr produktiven und dicht besiedelten Kulturen können Veränderungen des Substrats, Populationsdichte und Altersstruktur möglicherweise gemeinsam eine Rolle spielen.

Es kann deshalb sinnvoll sein, größere Kulturen gelegentlich zu teilen und mit einem Teil der Tiere einen frischen Ansatz aufzubauen. So steht nicht nur frisches Substrat zur Verfügung, sondern gleichzeitig eine Sicherheitskultur, falls der ursprüngliche Bestand tatsächlich zusammenbricht.

Wer seinen Asseln unterschiedliche Feuchtigkeitsbereiche, ein geeignetes Substrat, dauerhaft Laub und weißfaules Holz sowie eine Calciumquelle bietet und die Entwicklung seiner Kulturen regelmäßig beobachtet, schafft eine gute Grundlage für langfristig stabile Bestände.

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