Pfeilgiftfrosch-Gelege gefunden – was tun?

Früher oder später passiert es bei vielen Haltern von Pfeilgiftfröschen: Beim Blick ins Terrarium entdeckt man plötzlich ein Gelege. Besonders beim ersten Mal stellt sich dann schnell die Frage: Was mache ich jetzt mit den Eiern?

Die erste Antwort darauf ist überraschend einfach: Man muss zunächst gar nichts tun.

Pfeilgiftfrösche vermehren sich schließlich auch ohne menschliche Hilfe. Ob und wie man als Halter eingreift, hängt vor allem davon ab, ob man die Kaulquappen gezielt aufziehen möchte und welche Art man hält.

Möchte ich überhaupt Nachwuchs aufziehen?

Bevor man über die weitere Behandlung des Geleges nachdenkt, sollte man sich fragen, ob man die daraus entstehenden Kaulquappen und späteren Jungfrösche überhaupt aufziehen möchte.

Denn mit einem erfolgreichen Gelege beginnt erst die eigentliche Arbeit.

Aus den Eiern entwickeln sich Kaulquappen, die über Wochen oder Monate versorgt werden müssen. Nach der Metamorphose benötigen die kleinen Jungfrösche wiederum geeignete Aufzuchtbehälter und sehr kleine Futtertiere. Und wenn man sie nicht behalten möchte oder kann, sollte man am besten bereits vor Beginn der Aufzucht einen Abnehmer suchen.

Je nach Art und Anzahl der Gelege kann dabei ziemlich schnell eine größere Menge Nachwuchs zusammenkommen.

Wer die Tiere nicht aufziehen möchte, kann das Gelege deshalb entweder im Terrarium belassen oder entnehmen und entsorgen.

Ein schlechtes Gewissen braucht man deswegen meiner Meinung nach nicht zu haben. Wer Pfeilgiftfrösche erfolgreich hält, muss nicht zwangsläufig jedes produzierte Ei bis zum Jungfrosch aufziehen.

Kann ich das Gelege einfach im Terrarium lassen?

Grundsätzlich ja.

Pfeilgiftfrösche betreiben eine für Amphibien teilweise erstaunlich ausgeprägte Brutpflege. Bei vielen Arten kümmert sich ein Elterntier um das Gelege, hält es feucht und transportiert die geschlüpften Kaulquappen später zu einer geeigneten Wasserstelle.

Wer ein entsprechend eingerichtetes Terrarium besitzt, kann diese natürlichen Verhaltensweisen deshalb durchaus beobachten.

Das kann sogar besonders interessant sein, wenn die Tiere nicht primär zur möglichst effizienten Nachzucht gehalten werden.

Allerdings gibt man damit einen Teil der Kontrolle ab. Nicht jedes Gelege entwickelt sich erfolgreich und nicht jede Kaulquappe landet zwangsläufig an einer Stelle, an der sie sich problemlos weiterentwickeln kann.

Wer möglichst viele Tiere gezielt aufziehen möchte, kann das Gelege bei vielen Arten deshalb auch entnehmen.

Wann entnehme ich ein Pfeilgiftfrosch-Gelege?

Ich entnehme Gelege vor allem dann, wenn ich den Nachwuchs kontrolliert aufziehen möchte.

Besonders praktisch ist es natürlich, wenn die Frösche ihre Eier direkt auf einem beweglichen Gegenstand abgelegt haben. Das können beispielsweise ein Blatt, eine Petrischale oder eine andere herausnehmbare Ablagefläche sein, z.B. die extra dafür entwickelten Tad-Pools.

Dann muss das eigentliche Gelege gar nicht angefasst werden.

Genau das bevorzuge ich, wenn es möglich ist. Liegt ein Gelege beispielsweise auf einem Blatt, kann ich das Blatt zusammen mit den Eiern entnehmen.

Die Eier selbst sind empfindlich. Je weniger ich daran manipulieren muss, desto lieber ist mir das.

Wie bewahre ich entnommene Eier auf?

Entnommene Eier dürfen vor allem nicht austrocknen.

Dabei habe ich mittlerweile unterschiedliche Varianten erfolgreich verwendet.

Mein aktuellstes Gelege von Dendrobates leucomelas liegt beispielsweise in einem Behälter mit etwas Wasser. Dabei sind die Eier allerdings nicht vollständig untergetaucht. Mindestens 50% der Eier befindet sich oberhalb der Wasseroberfläche.

Bei vorherigen Gelegen hatten meine Frösche ihre Eier direkt auf Laub abgelegt. Dort habe ich auf ein Wasserbad komplett verzichtet und stattdessen lediglich dafür gesorgt, dass das Blatt und damit das Gelege regelmäßig wieder befeuchtet wurden.

Auch das hat bei mir funktioniert.

Für mich ist deshalb weniger entscheidend, ob ein Gelege zwingend „im Wasser“ oder „außerhalb des Wassers“ liegt. Entscheidend ist, dass es ausreichend feucht bleibt, ohne die Eier vollständig unter Wasser zu setzen.

Muss ein Pfeilgiftfrosch-Gelege im Wasser liegen?

Nein.

Das ist eigentlich schon am natürlichen Eiablageplatz erkennbar. Viele Pfeilgiftfrösche legen ihre Eier gerade nicht unter Wasser, sondern an feuchten Stellen an Land ab.

Die spätere Entwicklung als Kaulquappe findet dagegen im Wasser statt.

Deshalb muss ein entnommenes Gelege nicht in einem mit Wasser gefüllten Behälter versenkt werden.

Eine Möglichkeit besteht darin, nur eine geringe Menge Wasser in den Aufzuchtbehälter zu geben, sodass das Gelege feucht bleibt, die Eier aber nicht vollständig bedeckt sind.

Liegt das Gelege auf einem Blatt oder einer anderen geeigneten Unterlage, kann es meiner Erfahrung nach ebenfalls ausreichen, diese regelmäßig zu befeuchten und vor dem Austrocknen zu schützen.

Warum verwende ich Aktivkohle?

Wenn ich meine Gelege mit etwas Wasser aufbewahre, gebe ich teilweise ein kleines Stück Aktivkohle dazu.

Damit habe ich bei meiner bisherigen Aufzucht gute Erfahrungen gemacht.

Ich würde Aktivkohle allerdings nicht als zwingende Voraussetzung darstellen. Entscheidend ist für mich zunächst eine saubere Umgebung und eine ausreichend hohe Feuchtigkeit.

Generell versuche ich bei der Entwicklung der Eier möglichst wenig unnötig zu verändern. Wenn eine Methode bei einem Gelege funktioniert, sehe ich keinen Grund, ständig neue Zusätze oder Behandlungen auszuprobieren.

Was mache ich mit einem schlechten Ei?

Nicht jedes Ei eines Geleges wird sich zwangsläufig entwickeln.

Gerade bei jungen oder noch unerfahrenen Zuchttieren können Eier unbefruchtet bleiben oder während der Entwicklung absterben. Einzelne Eier können sich verfärben oder verpilzen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Gelege verloren ist.

Ich beobachte solche Gelege deshalb zunächst regelmäßig. Problematisch kann es insbesondere werden, wenn sich ein deutlicher Pilzbefall ausbreitet. Dann kann es sinnvoll sein, das betroffene Ei vorsichtig vom restlichen Gelege zu trennen.

Dabei gilt für mich aber ebenfalls: so wenig am Gelege manipulieren wie möglich.

Wann schlüpfen die Kaulquappen?

Während der nächsten Tage lässt sich bei einem erfolgreichen Gelege zunehmend die Entwicklung innerhalb der Eier erkennen.

Aus dem zunächst relativ unscheinbaren Ei wird langsam eine deutlich erkennbare Kaulquappe.

Wie lange die Entwicklung bis zum Schlupf dauert, hängt von der Art und den Bedingungen ab. Bei verschiedenen Dendrobates bewegt man sich grob im Bereich von etwa zwei Wochen.

Spätestens wenn die Kaulquappen das Ei verlassen, beginnt dann der nächste Abschnitt der Aufzucht: die Haltung und Fütterung der Kaulquappen.

Eine wichtige Ausnahme: Oophaga

Nicht bei jedem Pfeilgiftfrosch sollte man nach demselben Schema vorgehen.

Eine besonders wichtige Ausnahme bilden Oophaga.

Bei diesen Fröschen endet die elterliche Fürsorge nicht mit dem Schlupf der Kaulquappen. Das Weibchen transportiert die Kaulquappen zu kleinen Wasserstellen und kehrt anschließend immer wieder zurück, um sie mit unbefruchteten Nähreiern zu versorgen.

Diese Nähreier stellen bei Oophaga einen zentralen Bestandteil der Larvenentwicklung dar. Deshalb lasse ich bei meinen Oophaga die Fortpflanzung vollständig bei den Elterntieren und würde die Gelege nicht zur normalen künstlichen Aufzucht entnehmen.

Das ist auch ein schönes Beispiel dafür, warum man sich vor der Zucht immer mit der Fortpflanzungsbiologie der konkreten Art beschäftigen sollte.

Entnehmen oder den Eltern überlassen?

Beides kann bei geeigneten Arten funktionieren.

Das Belassen im Terrarium ermöglicht es, mehr vom natürlichen Brutpflegeverhalten der Tiere zu beobachten. Gleichzeitig gibt man damit einen Teil der Kontrolle über die Aufzucht ab.

Durch die Entnahme kann man die Entwicklung der Eier dagegen sehr genau beobachten und die später schlüpfenden Kaulquappen gezielt aufziehen.

Ich selbst entnehme deshalb bei Arten wie meinen Dendrobates leucomelas Gelege, die ich aufziehen möchte.

Dabei versuche ich es möglichst unkompliziert zu halten: Gelege nach Möglichkeit mitsamt seiner Unterlage entnehmen, feucht halten, nicht vollständig untertauchen und anschließend die Entwicklung beobachten.

Es braucht meiner Erfahrung nach keine komplizierte Apparatur, damit sich ein gesundes und befruchtetes Gelege entwickeln kann.

Fazit

Wer ein Pfeilgiftfrosch-Gelege entdeckt, muss zunächst entscheiden, ob er den Nachwuchs überhaupt aufziehen möchte.

Soll keine Aufzucht stattfinden, kann das Gelege im Terrarium verbleiben oder entfernt werden.

Möchte man die Kaulquappen dagegen gezielt aufziehen, können die Gelege vieler Arten entnommen werden. Ich lasse sie dabei möglichst auf der ursprünglichen Unterlage und sorge in erster Linie dafür, dass die Eier feucht bleiben, aber nicht vollständig unter Wasser liegen.

Bei meinen Dendrobates leucomelas haben bei mir bereits beide Varianten funktioniert: ein Gelege mit etwas Wasser im Aufzuchtbehälter und Gelege auf Laub, die lediglich regelmäßig befeuchtet wurden.

Wichtig ist allerdings, die Fortpflanzungsstrategie der jeweiligen Art zu kennen. Oophaga bilden eine entscheidende Ausnahme, da ihre Kaulquappen auf die weitere Versorgung durch das Weibchen angewiesen sind.

Und dann heißt es erst einmal warten und beobachten. Denn ein gefundenes Gelege ist noch lange kein fertiger Jungfrosch – aber der Anfang davon.

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