Brauchen Asseln Laub?

Wer Asseln hält, findet in fast jeder Haltungsempfehlung denselben Bestandteil: eine Schicht aus trockenem Laub. Doch brauchen Asseln Laub tatsächlich oder dient es lediglich als Versteck und Dekoration?

Die kurze Antwort lautet: Ja, für die meisten Asselarten gehört Laub zu den wichtigsten Bestandteilen einer artgerechten Haltung. Es bietet nicht nur Deckung und beeinflusst das Mikroklima, sondern dient den Tieren vor allem als dauerhafte Nahrungsquelle.

Warum brauchen Asseln Laub?

Asseln ernähren sich in der Natur überwiegend von abgestorbenem organischem Material. Als sogenannte Destruenten tragen sie dazu bei, abgestorbene Pflanzenbestandteile zu zersetzen und die darin enthaltenen Nährstoffe wieder dem natürlichen Kreislauf zuzuführen.

Herabgefallenes und bereits teilweise zersetztes Laub stellt dabei eine wichtige Nahrungsquelle dar.

Auch in einer Asselkultur sollte Laub deshalb dauerhaft zur Verfügung stehen. Zusatzfutter wie Gemüse, Fischfutter oder spezielles Asselfutter kann die Ernährung ergänzen, ersetzt diese natürliche Nahrungsgrundlage aber nicht vollständig.

Laub ist Futter und kein Zusatz

Ein häufiger Fehler besteht darin, Laub lediglich als gelegentliche Ergänzung anzusehen.

In meinen Asselkulturen bildet Laub zusammen mit anderen organischen Bestandteilen des Substrats die grundlegende Nahrungsversorgung. Zusatzfutter gibt es zusätzlich und nicht anstelle des Laubs.

Wie viel davon tatsächlich gefressen wird, lässt sich bei einer gut laufenden Kultur leicht beobachten. Besonders bei großen Populationen kann eine zunächst dicke Laubschicht mit der Zeit nahezu vollständig verschwinden.

Spätestens dann sollte neues Laub nachgelegt werden.

Welche Blätter eignen sich für Asseln?

Grundsätzlich eignen sich die abgestorbenen Blätter vieler heimischer Laubbäume. Häufig verwendet werden beispielsweise:

  • Buche
  • Eiche
  • Ahorn
  • Hasel
  • Birke
  • Obstbäume
  • Seemandelbaum

Eine Mischung verschiedener Laubarten ist sinnvoll, da sich die Blätter unter anderem in ihrer Struktur und Zersetzungsgeschwindigkeit unterscheiden.

Eichen- und Buchenlaub bleibt beispielsweise vergleichsweise lange erhalten, während weichere Blätter häufig schneller zersetzt und gefressen werden.

Nicht jede Pflanzenart ist allerdings automatisch als Futter geeignet. Bei unbekannten Arten sollte deshalb zunächst geprüft werden, ob deren Laub für Asseln verwendet werden kann.

Frisches oder trockenes Laub?

Für die dauerhafte Versorgung eignet sich abgestorbenes, trockenes Falllaub.

Grüne Blätter direkt vom Baum entsprechen nicht dem Material, das viele Asseln hauptsächlich verwerten. Während der natürlichen Zersetzung verändern Mikroorganismen und Pilze das abgestorbene Pflanzenmaterial und machen es für zahlreiche Bodenorganismen besser nutzbar.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Blatt erst monatelang verrotten muss. Trocken gesammeltes Herbstlaub kann problemlos eingelagert und nach Bedarf verwendet werden.

Im feuchten Milieu einer Asselbox beginnt die weitere Zersetzung ohnehin von selbst.

Muss man Laub für Asseln abkochen?

Laub muss nicht grundsätzlich abgekocht werden.

Durch Abkochen oder starke Hitze werden nicht nur möglicherweise unerwünschte Organismen reduziert, sondern auch zahlreiche Mikroorganismen abgetötet, die Bestandteil des natürlichen Zersetzungsprozesses sind.

Wer Laub aus einer geeigneten und unbelasteten Umgebung sammelt, kann es deshalb auch ohne vorheriges Abkochen verwenden.

Je nach persönlichem Sicherheitsbedürfnis kann gesammeltes Laub natürlich kontrolliert und entsprechend vorbereitet werden. Vollständig steril muss eine Asselkultur jedoch nicht sein.

Wo sollte man Laub sammeln?

Wichtiger als eine möglichst sterile Behandlung ist eine geeignete Sammelstelle.

Laub sollte nicht direkt an stark befahrenen Straßen, auf intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen oder an anderen Orten gesammelt werden, an denen mit Pestiziden oder sonstigen Schadstoffen gerechnet werden muss.

Geeignet sind beispielsweise unbelastete Waldflächen oder der eigene Garten, sofern dort keine problematischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Auch bei gekauftem Laub sollte darauf geachtet werden, dass es für die Verwendung bei Wirbellosen beziehungsweise Terrarientieren geeignet ist.

Wie viel Laub brauchen Asseln?

Eine exakte Menge lässt sich kaum angeben. Sie hängt unter anderem von der Asselart, der Größe der Population und der Größe des Behälters ab.

Ich würde grundsätzlich so viel anbieten, dass ständig Laub vorhanden ist.

Eine mehrere Blätter starke Laubschicht bietet den Tieren gleichzeitig zahlreiche Versteckmöglichkeiten. Wird sie zunehmend zersetzt und gefressen, kann einfach neues Laub darübergegeben werden.

Bei großen, stark reproduzierenden Kulturen sollte man den Verbrauch nicht unterschätzen. Hunderte Asseln können organisches Material erstaunlich schnell umsetzen.

Muss altes Laub entfernt werden?

Normalerweise nicht.

Dass Laub zerfällt, von Pilzen und Mikroorganismen besiedelt wird und schließlich immer stärker in das Substrat übergeht, ist grundsätzlich erwünscht. Genau dieser Zersetzungsprozess macht einen Teil des Lebensraums der Asseln aus.

Deshalb muss eine Asselbox auch nicht ständig von alten Blattresten „gereinigt“ werden.

Anders sieht es natürlich aus, wenn Material offensichtlich mit problematischen Stoffen verunreinigt wurde oder andere konkrete Probleme auftreten.

Brauchen Asseln neben Laub noch weißfaules Holz?

Für viele Asselarten ist weißfaules Holz ebenfalls ein wertvoller Bestandteil von Substrat und Ernährung.

Laub und weißfaules Holz würde ich deshalb nicht als Alternativen betrachten. Beide können gemeinsam die Basis einer Asselkultur bilden.

Dazu kommen je nach Art und Haltung weitere Futtermittel, beispielsweise Gemüse oder proteinreiche Nahrung sowie eine dauerhaft verfügbare Calciumquelle.

Fressen Asseln jedes Laub gleich gerne?

Nein. Selbst geeignetes Laub wird nicht zwangsläufig gleich schnell gefressen.

Härte, Zersetzungszustand und Blattart können beeinflussen, wie attraktiv ein Blatt für die Tiere ist. Außerdem unterscheiden sich Asselarten in ihren Vorlieben.

Eine Mischung verschiedener geeigneter Laubarten hat deshalb einen praktischen Vorteil: Die Tiere bekommen unterschiedliche Nahrungsquellen und gleichzeitig Blätter, die verschieden schnell zerfallen.

Mit der Zeit lässt sich außerdem gut beobachten, welches Laub die eigene Kultur besonders schnell verwertet.

Laub im bioaktiven Terrarium

Laub ist nicht nur in einer separaten Asselzucht sinnvoll. Auch im bioaktiven Terrarium erfüllt eine Laubschicht mehrere Funktionen.

Sie dient Asseln und anderen Bodenorganismen als Nahrung und Versteck, hält darunter ein feuchteres Mikroklima aufrecht und schafft zahlreiche kleine Rückzugsräume.

Gleichzeitig wird organisches Material durch die Bodenorganismen zunehmend zersetzt.

Gerade wenn Asseln als Bodenpolizei eingesetzt werden, sollte man deshalb nicht erwarten, dass sie ausschließlich von Futterresten und Ausscheidungen der Terrarientiere leben. Auch dort sollte ihnen eine geeignete Nahrungsgrundlage zur Verfügung stehen.

Können Asseln ohne Laub leben?

Kurzfristig kann eine Asselkultur natürlich auch ohne sichtbare Laubschicht weiterleben, insbesondere wenn das Substrat bereits reich an organischem Material ist und zusätzlich gefüttert wird.

Daraus sollte man allerdings nicht schließen, dass Laub unnötig ist.

Für eine langfristige Haltung würde ich darauf nicht verzichten. Es ist eine günstige und natürliche Nahrungsquelle, bietet Verstecke und unterstützt gleichzeitig ein geeignetes Mikroklima.

Fazit

Ja, Laub gehört für die meisten Asselarten zur Grundausstattung.

Es ist nicht lediglich Dekoration, sondern erfüllt gleich mehrere wichtige Funktionen. Vor allem dient abgestorbenes Laub den Asseln als natürliche und dauerhaft verfügbare Nahrungsquelle. Gleichzeitig schafft es Versteckmöglichkeiten und unterstützt ein geeignetes Mikroklima.

Am besten eignet sich unbelastetes, abgestorbenes Laub verschiedener geeigneter Laubbäume. Es kann großzügig auf dem Substrat verteilt und einfach nachgefüllt werden, sobald die vorhandene Schicht zunehmend verschwindet.

Zusatzfutter kann die Ernährung ergänzen – Laub würde ich dadurch jedoch nicht ersetzen.

Passende Themen