Warum vermehren sich meine Asseln nicht?
Asseln gelten häufig als ausgesprochen vermehrungsfreudig. Umso frustrierender kann es sein, wenn ein neuer Zuchtansatz über Monate scheinbar auf der Stelle tritt und einfach keine Jungtiere auftauchen.
Das muss allerdings nicht sofort bedeuten, dass mit der Zucht etwas grundsätzlich nicht stimmt. Je nach Asselart kann es erhebliche Unterschiede bei der Vermehrungsgeschwindigkeit geben. Gleichzeitig können die Haltungsbedingungen dafür sorgen, dass eine Population deutlich langsamer wächst als erwartet.
Nicht jede Asselart vermehrt sich gleich schnell
Der erste wichtige Punkt ist die gehaltene Art. Nach meinen Erfahrungen können sich beispielsweise viele Porcellio und Porcellionides sehr schnell vermehren. Auch meine Armadillidium-Zuchten können recht zügig wachsen.
Bei Cubaris ist dagegen häufig wesentlich mehr Geduld notwendig. Hier würde ich deshalb nicht automatisch von einem Problem ausgehen, nur weil die Population nicht innerhalb kurzer Zeit stark zunimmt.
Auch bei meinen Trichorhina ist die Vermehrung eher unterschiedlich. In den eigentlichen Zuchtansätzen laufen sie bei mir eher mittelprächtig: Sie vermehren sich, ohne dass die Population regelrecht explodiert. In einigen meiner Schabenboxen, beispielsweise bei den Pfefferschaben und Keniaschaben, können sie dagegen ausgesprochen zahlreich werden.
Schon daran sieht man, dass nicht nur die Art selbst über den Erfolg entscheidet.
Ist der Zuchtansatz groß genug?
Eine sehr kleine Ausgangsgruppe kann den Aufbau einer Zucht deutlich erschweren.
Bei vielen Asselarten lässt sich das Geschlecht nicht auf den ersten Blick erkennen. Bei einer kleinen Gruppe kann deshalb bereits die Geschlechterverteilung ungünstig sein. Zusätzlich dauert es länger, bis aus wenigen Tieren eine größere Population entsteht.
Auch das Alter der Tiere spielt eine Rolle. Besteht ein neuer Ansatz hauptsächlich aus Jungtieren, können diese natürlich noch nicht unmittelbar für Nachwuchs sorgen.
Eine kleine Startpopulation braucht deshalb vor allem Zeit.
Stimmt die Feuchtigkeit?
Die richtige Feuchtigkeit gehört zu den wichtigsten Faktoren einer Asselhaltung. Dabei bedeutet „feucht“ allerdings nicht, dass der komplette Behälter dauerhaft nass sein sollte.
Ich bevorzuge einen Feuchtigkeitsgradienten, sodass den Asseln sowohl feuchtere als auch trockenere Bereiche zur Verfügung stehen.
Ist die Haltung insgesamt zu trocken, können die Tiere Probleme bekommen. Eine dauerhaft vollständig nasse Box ist allerdings ebenfalls keine gute Lösung.
Gerade wenn eine Zucht zwar überlebt, aber über längere Zeit kaum wächst, lohnt sich deshalb ein Blick darauf, welche unterschiedlichen Mikroklimata den Tieren tatsächlich zur Verfügung stehen.
Ist genügend Grundnahrung vorhanden?
Laub und weißfaules Holz sollten nicht nur gelegentlich als Zusatzfutter angeboten werden, sondern dauerhaft vorhanden sein.
Zusätzlich können weitere Futtermittel angeboten werden. Ich verwende dafür unter anderem auch Fischfutter. Wie viel zusätzlich notwendig ist, hängt stark von der Größe der Population ab.
Bei kleinen Ansätzen sollte man allerdings nicht versuchen, fehlende Vermehrung einfach durch riesige Futtermengen zu beheben. Nicht gefressenes Futter kann verderben und wiederum andere Probleme verursachen.
Bekommen die Asseln genügend Protein?
Neben pflanzlichem Material nehmen viele Asseln gerne proteinreiche Nahrung an.
Gerade bei einer Zucht, die nicht richtig in Gang kommt, würde ich deshalb auch überprüfen, ob die Ernährung abwechslungsreich genug ist und gelegentlich eine geeignete Proteinquelle angeboten wird.
Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Kleine Mengen, die von den Tieren tatsächlich gefressen werden, sind sinnvoller als dauerhaft herumliegende Futterreste.
Haben die Asseln genügend Calcium?
Calcium spielt beim Aufbau des Außenskeletts eine wichtige Rolle. Deshalb sollte auch die Mineralstoffversorgung bei einer schlecht laufenden Zucht berücksichtigt werden.
Eine einfache Möglichkeit ist beispielsweise ein Stück Sepiaschale, das dauerhaft im Behälter verbleiben kann. Die Tiere können daran fressen, wenn sie Bedarf haben.
Sepia ist dabei kein Wundermittel, das automatisch für Nachwuchs sorgt. Es ist lediglich eine unkomplizierte zusätzliche Calciumquelle und ersetzt weder eine abwechslungsreiche Ernährung noch ein geeignetes Substrat.
Passt die Temperatur?
Auch die Temperatur beeinflusst Aktivität, Wachstum und Vermehrung.
Welche Temperaturen geeignet sind, hängt von der jeweiligen Art ab. Deshalb würde ich eine schlecht laufende Zucht nicht einfach pauschal wärmer stellen. Stattdessen sollte überprüft werden, ob die vorhandene Temperatur überhaupt zu den Ansprüchen der gehaltenen Asselart passt.
Insbesondere bei saisonalen Veränderungen kann sich außerdem zeigen, dass eine Zucht zeitweise deutlich langsamer läuft.
Sind überhaupt keine Jungtiere vorhanden?
Gerade bei kleinen Asselarten oder frisch geschlüpften Jungtieren ist diese Frage gar nicht immer so leicht zu beantworten.
Die Jungtiere können sich tief im Substrat, unter Holz oder zwischen Laub aufhalten und werden entsprechend leicht übersehen. Nur weil bei einer kurzen Kontrolle keine Jungtiere sichtbar sind, bedeutet das deshalb noch nicht zwangsläufig, dass keine vorhanden sind.
Ständiges Umgraben der kompletten Zucht, nur um nach Nachwuchs zu suchen, würde ich allerdings ebenfalls vermeiden.
Vielleicht braucht die Zucht einfach Zeit
Das ist wahrscheinlich einer der unspektakulärsten Gründe: Manche Zuchten brauchen einfach eine Weile, bis sie richtig anlaufen.
Aus wenigen Tieren muss zunächst eine erste Generation Nachwuchs entstehen. Diese muss wiederum heranwachsen, bevor auch sie sich vermehren kann. Erst wenn mehrere Generationen gleichzeitig zur Population beitragen, kann sich die Anzahl der Tiere plötzlich wesentlich schneller erhöhen.
Gerade bei langsameren Arten kann zwischen „da passiert überhaupt nichts“ und „jetzt läuft die Zucht“ deshalb eine ziemlich lange Zeit liegen.
Wann würde ich genauer nach der Ursache suchen?
Wenn die Tiere ansonsten gesund wirken und die Population zumindest stabil bleibt, würde ich einer langsam startenden Zucht zunächst Zeit geben.
Anders sieht es aus, wenn regelmäßig Tiere sterben, die Population sichtbar kleiner wird oder die Asseln ungewöhnliches Verhalten zeigen. Dann würde ich nicht nur auf fehlenden Nachwuchs schauen, sondern die komplette Haltung überprüfen: Feuchtigkeit, Temperatur, Futter, Belüftung, Substrat und mögliche Probleme im Behälter.
Eine Zucht, die langsam wächst, ist etwas anderes als eine Population, die kontinuierlich Tiere verliert.
Fazit
Wenn sich Asseln nicht vermehren, muss nicht automatisch ein einzelner Haltungsfehler dahinterstecken. Art, Größe und Altersstruktur der Ausgangsgruppe, Feuchtigkeit, Temperatur und Ernährung können gemeinsam beeinflussen, wie schnell eine Population wächst.
Nach meinen Erfahrungen gibt es dabei enorme Unterschiede. Porcellio und Porcellionides können teilweise sehr schnell große Populationen aufbauen, während beispielsweise Cubaris wesentlich mehr Geduld verlangen können. Selbst Trichorhina entwickeln sich bei mir je nach Haltung sehr unterschiedlich.
Stimmen die grundlegenden Bedingungen und bleiben die Tiere gesund, würde ich einer jungen Zucht deshalb zunächst Zeit geben. Treten dagegen Verluste auf oder schrumpft die Population, sollte genauer nach der Ursache gesucht werden.
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1,00€ – 20,00€ -
Cubaris sp. „Rubber Ducky“
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Cubaris sp. „Panda King“
25,00€ – 50,00€ -
Armadillidium gestroi
20,00€ – 40,00€ -
Weiße Asseln (Trichorhina tomentosa)
3,50€ -
Porcellionides pruinosus „Orange“ (Orange Kubaassel)
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