Ofenfischchen züchten – Haltung und Zucht von Thermobia domestica
Ofenfischchen (Thermobia domestica) sind kleine, flügellose Insekten und insbesondere in der Terraristik als Futtertiere interessant. Durch ihre geringe Größe eignen sie sich auch für kleinere Terrarientiere. Gleichzeitig lässt sich mit einer funktionierenden Zucht dauerhaft eigenes Lebendfutter produzieren.
Die Zucht ist grundsätzlich nicht besonders kompliziert. Ein entscheidender Faktor ist allerdings die Temperatur: Ofenfischchen mögen es ihrem Namen entsprechend ausgesprochen warm.
In diesem Artikel zeige ich, wie meine eigene Zucht aufgebaut ist und unter welchen Bedingungen sie sich bei mir erfolgreich vermehrt.
Der Zuchtbehälter
Für meine Ofenfischchen verwende ich eine IKEA-SAMLA-Kunststoffbox. Ein klassisches Bodensubstrat befindet sich darin nicht. Die Tiere leben direkt auf dem Kunststoffboden, auf dem sich mit der Zeit natürlich auch etwas Futter und anderes Material verteilt.
Als Versteckmöglichkeiten und zur Vergrößerung der nutzbaren Oberfläche verwende ich Eierkartons. Zusätzlich verteile ich etwas Watte innerhalb der Box.
Die Watte erfüllt dabei noch eine zweite wichtige Aufgabe: Die Ofenfischchen nutzen sie nach meinen Beobachtungen bevorzugt zur Eiablage. Auch bei der gezielten Laborhaltung von Thermobia domestica wird geschichtete Baumwolle als Eiablagesubstrat verwendet.
Temperatur – Wärme ist entscheidend
Meine Zucht halte ich bei etwa 34 bis 36 °C. Im Durchschnitt liegt die Temperatur ungefähr bei 35 °C.
Das ist deutlich wärmer als bei vielen anderen Futtertierzuchten, passt aber zur Biologie der Art. Auch wissenschaftliche Laborzuchten werden beispielsweise bei etwa 35 bis 37 °C gehalten.
Geheizt wird meine Zucht mit zwei Heizmatten mit jeweils 7 Watt. Eine davon läuft dauerhaft. Die zweite Heizmatte ist mit einer Temperatursteuerung gekoppelt und wird abhängig von der gemessenen Temperatur zugeschaltet. Dadurch lässt sich der gewünschte Temperaturbereich relativ konstant halten.
Die eigentliche SAMLA-Box steht zusätzlich innerhalb einer Styroporbox. Dadurch wird die Wärme besser gehalten und die Umgebungstemperatur innerhalb des Zuchtaufbaus lässt sich stabilisieren.
Eine Styroporbox ist allerdings nicht grundsätzlich notwendig. Meine frühere Zucht funktionierte auch ohne diese zusätzliche Isolation erfolgreich. Nachdem ich den Ansatz aufgrund eines Käferbefalls neu aufsetzen musste, wollte die neue Zucht jedoch zunächst nicht wieder richtig in Gang kommen. Mit dem heute stärker kontrollierten und isolierten Aufbau funktioniert die Vermehrung wieder sehr gut.
Für mich ist die Styroporbox daher vor allem eine Möglichkeit, die Bedingungen innerhalb der Zucht konstanter zu halten.
Luftfeuchtigkeit und Wasserversorgung
Neben hohen Temperaturen benötigen Ofenfischchen ausreichend Feuchtigkeit. In meiner Zucht messe ich aktuell ungefähr 60 % relative Luftfeuchtigkeit.
Zur Wasserversorgung beziehungsweise zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit verwende ich ein einfaches Glas mit Wasser. Die Öffnung des Glases wird mit Nylon verschlossen.
Dadurch kann kontinuierlich Wasser aus dem Glas verdunsten, während die Ofenfischchen selbst nicht in das Wasser gelangen können.
Auch dieses Prinzip findet sich in anderen erfolgreichen Zuchtmethoden wieder: Wasserbehälter werden so verschlossen, dass sie Feuchtigkeit abgeben können, ohne für die Tiere zur Gefahr zu werden.
Wichtig ist dabei, nicht einfach die gesamte Zuchtbox nass zu halten. Mein Ansatz selbst bleibt weitgehend trocken. Die benötigte Feuchtigkeit wird hauptsächlich über die Luft bereitgestellt.
Was fressen Ofenfischchen?
Die Fütterung ist unkompliziert. In meiner Zucht verwende ich eine Mischung aus:
- Weizenkleie
- Haferflocken
- Fischflocken
Das trockene Futter kann direkt auf dem Boden der Zuchtbox angeboten werden.
Ofenfischchen sind hinsichtlich ihrer Nahrung wenig spezialisiert und können unterschiedliche stärkehaltige sowie proteinreiche Bestandteile verwerten. Für eine Zucht bietet sich deshalb ein trockenes Grundfutter an, das dauerhaft zur Verfügung stehen kann.
Eiablage und Entwicklung
Zur Eiablage stelle ich den Tieren Watte zur Verfügung.
Die hohe Temperatur spielt nicht nur für die Aktivität der Tiere, sondern auch für die Entwicklung eine wichtige Rolle. Unter Laborbedingungen bei 37 °C dauert die Embryonalentwicklung beispielsweise nur ungefähr 11 bis 12 Tage. Andere Zuchtberichte nennen bei geeigneten Bedingungen rund zwei Wochen bis zum Schlupf.
Bis aus den kleinen Jungtieren ausgewachsene Ofenfischchen geworden sind, dauert es dagegen wesentlich länger. Für eine produktive Zucht braucht man deshalb zunächst etwas Geduld.
Hat sich eine ausreichend große Population etabliert, können jedoch gleichzeitig Eier, Jungtiere verschiedener Größen und adulte Tiere in der Zucht vorhanden sein.
Meine Erfahrungen mit der Zucht
Meine erste Ofenfischchenzucht lief bereits erfolgreich, obwohl ich damals noch keine Styroporbox zur zusätzlichen Isolation verwendet habe.
Aufgrund eines Käferbefalls musste ich diesen Ansatz allerdings vollständig neu aufsetzen. Anschließend hatte ich längere Zeit Schwierigkeiten, die Zucht wieder richtig zum Laufen zu bekommen.
Mit meinem aktuellen Aufbau aus SAMLA-Box, Styroporisolierung, zwei Heizmatten und kontrollierter Temperatur hat sich das geändert. Die Population entwickelt sich inzwischen wieder sehr gut.
Gerade diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass bei Ofenfischchen weniger die Komplexität der Einrichtung entscheidend ist. Der Behälter selbst ist ausgesprochen simpel aufgebaut. Viel wichtiger scheinen stabile und ausreichend warme Bedingungen zu sein.
Ofenfischchen als Futtertiere
Eine etablierte Ofenfischchenzucht kann eine interessante Ergänzung zu klassischen Futtertieren wie Fruchtfliegen, Springschwänzen oder Schaben darstellen.
Die Tiere sind relativ klein, bewegen sich schnell und können insbesondere für kleinere Reptilien, Amphibien und verschiedene Wirbellose interessant sein.
Ein weiterer Vorteil ist die dauerhafte Eigenproduktion. Statt regelmäßig neue Futtertiere kaufen zu müssen, kann aus einem ausreichend großen Zuchtansatz kontinuierlich eine gewisse Menge entnommen werden.
Dabei sollte man natürlich darauf achten, niemals so viele Tiere zu verfüttern, dass der verbleibende Bestand die Verluste nicht mehr ausgleichen kann.
Fazit
Die Zucht von Ofenfischchen ist technisch vergleichsweise einfach, benötigt aber vor allem eines: viel Wärme.
Meine aktuelle Zucht läuft bei ungefähr 35 °C und rund 60 % relativer Luftfeuchtigkeit. Als Zuchtbehälter dient eine substratlose Kunststoffbox mit Eierkartons und Watte. Gefüttert wird mit Weizenkleie, Haferflocken und Fischflocken, während ein mit Nylon gesichertes Wasserglas für zusätzliche Feuchtigkeit sorgt.
Nachdem ein früherer Neuansatz bei mir längere Zeit nicht richtig in Gang kommen wollte, hat sich insbesondere die stabilere Temperaturführung im isolierten Aufbau bewährt.
Hat man die passenden Bedingungen geschaffen und gibt dem Ansatz genügend Zeit, lässt sich auf diese Weise eine dauerhaft produktive Ofenfischchenzucht aufbauen.
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