Warum vermehren sich meine Schaben nicht?

Schaben gelten häufig als einfach zu züchtende Tiere. Besonders bekannte Futtertierarten können unter geeigneten Bedingungen große Populationen aufbauen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass eine Schabenzucht über Wochen oder sogar Monate kaum Nachwuchs produziert.

Doch warum vermehren sich Schaben nicht?

Dafür gibt es zahlreiche mögliche Ursachen. Temperatur, Ernährung, Feuchtigkeit, Alter und Zusammensetzung der Zuchtgruppe können ebenso eine Rolle spielen wie Stress oder Probleme innerhalb der Kultur.

Nicht jede Schabenart vermehrt sich gleich schnell

Zunächst sollte man berücksichtigen, dass sich verschiedene Schabenarten teilweise erheblich in ihrer Fortpflanzung unterscheiden.

Arten wie die Schokoschaben (Shelfordella lateralis) können unter geeigneten Bedingungen sehr schnell große Populationen aufbauen. Andere Arten benötigen wesentlich mehr Zeit.

Auch die Art der Fortpflanzung unterscheidet sich. Manche Schaben legen ihre Ootheken ab, während andere Arten die Oothek im Körper tragen und lebende Jungtiere zur Welt bringen.

Eine Zucht, in der nach einigen Wochen noch keine Jungtiere sichtbar sind, muss deshalb nicht automatisch schlecht funktionieren.

Vor allem bei einer neu angesetzten Kultur lohnt sich zunächst ein Blick auf die Fortpflanzungsbiologie der jeweiligen Art.

Sind die Schaben bereits geschlechtsreif?

Eine häufige und einfache Erklärung ist das Alter der Tiere.

Nicht jede größere Schabe ist bereits adult. Bei vielen Arten lassen sich adulte Tiere anhand vollständig entwickelter Flügel oder anderer äußerer Merkmale erkennen. Das ist allerdings artspezifisch.

Wer eine Gruppe überwiegend junger Tiere kauft, muss zunächst warten, bis diese ihre Geschlechtsreife erreicht haben.

Auch anschließend entsteht nicht sofort sichtbarer Nachwuchs. Paarung, Entwicklung beziehungsweise Ablage der Oothek und schließlich das Erscheinen der ersten Jungtiere benötigen zusätzliche Zeit.

Stimmt das Geschlechterverhältnis?

Für eine funktionierende Zucht müssen natürlich beide Geschlechter vorhanden sein.

Bei kleinen Ausgangsgruppen kann ein ungünstiges Geschlechterverhältnis schnell zum Problem werden. Im Extremfall besteht eine vermeintliche Zuchtgruppe ausschließlich aus Männchen oder Weibchen.

Bei vielen Arten benötigt man außerdem nicht annähernd so viele Männchen wie Weibchen. Ein hoher Weibchenanteil kann deshalb für den Aufbau einer Zucht sinnvoll sein.

Zu viele Männchen können dagegen je nach Art zusätzlichen Stress verursachen.

Bei einer kleinen Zuchtgruppe lohnt es sich daher, die Geschlechter der adulten Tiere zu kontrollieren, sofern diese bei der jeweiligen Art zuverlässig unterschieden werden können.

Ist es warm genug?

Die Temperatur hat nach meiner Erfahrung einen enormen Einfluss darauf, wie schnell sich eine Schabenzucht entwickelt.

Das konnte ich sowohl bei Blaptica dubia als auch bei Shelfordella lateralis beobachten. Bei normaler Raumtemperatur entwickelten sich die Jungtiere bei mir entweder gar nicht oder nur extrem langsam zu adulten Tieren. Erst durch eine zusätzliche Wärmequelle in Form einer Heizmatte konnte ich eine für die Zucht sinnvolle Entwicklungsgeschwindigkeit erreichen.

Das bedeutet nicht, dass jede Schabenart möglichst heiß gehalten werden sollte. Die geeigneten Temperaturen unterscheiden sich von Art zu Art und eine lokale Wärmequelle sollte immer so angebracht werden, dass die Tiere auch kühlere Bereiche aufsuchen können.

Werden die Tiere zwar gefüttert und scheinen gesund, aber die Jungtiere wachsen über Monate kaum, würde ich die Temperatur trotzdem als einen der ersten Punkte überprüfen.

Denn selbst wenn bereits Nachwuchs vorhanden ist, entsteht keine dauerhaft produktive Zucht, wenn dieser extrem lange benötigt, um selbst geschlechtsreif zu werden.

Bekommen die Tiere ausreichend Futter?

Fortpflanzung kostet Energie.

Eine dauerhaft knapp ernährte Population kann deshalb deutlich schlechter reproduzieren. Besonders wichtig ist eine abwechslungsreiche Versorgung mit Kohlenhydraten, Proteinen und weiteren Nährstoffen.

Je nach Art und Zuchtmethode können beispielsweise geeignetes Trockenfutter sowie Gemüse oder andere Frischfutterbestandteile angeboten werden.

Dabei gilt allerdings nicht automatisch: Je mehr Futter, desto besser.

Futterreste können schimmeln, Milben fördern oder andere unerwünschte Organismen anziehen. Gerade Frischfutter sollte deshalb so dosiert werden, dass es zeitnah gefressen wird.

Bekommen die Schaben genügend Feuchtigkeit?

Ein weiterer Punkt, den ich bei meinen eigenen Schabenzuchten deutlich unterschätzt habe, ist die Wasserversorgung.

Häufig wird empfohlen, den Wasserbedarf von Schaben ausschließlich über Obst und Gemüse zu decken. Bei meinen Zuchten von Blaptica dubia und Shelfordella lateralis hat das allerdings nicht ausgereicht.

Obwohl regelmäßig Frischfutter angeboten wurde, bekam ich zunächst keinen beziehungsweise kaum Nachwuchs. Eine deutliche Veränderung trat erst ein, nachdem ich zusätzlich eine dauerhafte Feuchtigkeitsquelle angeboten habe.

Anfangs verwendete ich dafür kleine Schälchen mit feuchter Küchenrolle. Mittlerweile halte ich meine Schaben auf Substrat und halte einen Teil davon dauerhaft leicht feucht. Dadurch entsteht gleichzeitig ein Feuchtigkeitsgradient, sodass die Tiere zwischen trockeneren und feuchteren Bereichen wählen können.

Interessanterweise habe ich diese Erfahrung bei zwei unterschiedlichen und häufig als unkompliziert geltenden Futtertierschaben gemacht.

Das heißt nicht zwangsläufig, dass Obst und Gemüse bei jeder Haltung unzureichend sind. Faktoren wie Temperatur, Belüftung, Boxengröße und angebotene Futtermengen beeinflussen schließlich ebenfalls, wie viel Wasser den Tieren tatsächlich zur Verfügung steht. Wenn eine Schabenzucht trotz scheinbar geeigneter Bedingungen keinen Nachwuchs produziert, würde ich eine fehlende Feuchtigkeitsquelle aufgrund meiner eigenen Erfahrungen aber definitiv überprüfen.

Sind überhaupt keine Ootheken vorhanden?

Bei Arten, die ihre Ootheken ablegen, lohnt sich ein genauer Blick in die Zuchtbox.

Ootheken können leicht zwischen Einrichtung, Substrat oder unter Verstecken verschwinden. Bei einer gut laufenden Kultur können teilweise überraschend viele davon vorhanden sein, bevor die ersten Jungtiere auffallen.

Findet man zahlreiche Ootheken, aber über längere Zeit keine Jungtiere, verschiebt sich die Fragestellung:

Dann funktioniert offensichtlich zumindest die Produktion der Ootheken, möglicherweise aber deren weitere Entwicklung nicht.

In diesem Fall würde ich insbesondere Temperatur und Feuchtigkeit sowie die Entwicklungsdauer der Eier überprüfen.

Versteckt sich der Nachwuchs einfach?

Frisch geschlüpfte Schaben können winzig sein und leben häufig sehr versteckt.

In Eierkartons, Rindenstücken, Substrat und kleinsten Zwischenräumen können zahlreiche Jungtiere vorhanden sein, ohne dass man sie bei einer kurzen Kontrolle bemerkt.

Gerade wenn eine Kultur frisch mit der Fortpflanzung begonnen hat, kann deshalb der Eindruck entstehen, dass kein Nachwuchs vorhanden ist.

Eine regelmäßige Kontrolle beim Füttern ist meist sinnvoller, als ständig die komplette Zuchtbox auseinanderzunehmen.

Stört zu viel Stress die Zucht?

Eine Zuchtbox sollte den Tieren ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Eierkartons haben sich bei vielen Futtertierschaben bewährt, weil sie auf kleiner Fläche zahlreiche dunkle Verstecke schaffen und gleichzeitig die nutzbare Oberfläche erheblich vergrößern.

Wird eine Kultur ständig geöffnet, umgeräumt oder vollständig geleert, entsteht unnötige Unruhe.

Auch eine ungeeignete Besatzdichte kann problematisch sein. Zu wenige Tiere erschweren bei manchen Arten den Aufbau einer produktiven Gruppe, während eine extrem überfüllte Box wiederum Konkurrenz und Stress verursachen kann.

Können Milben oder andere Tiere zum Problem werden?

In Schabenzuchten können sich mit der Zeit zahlreiche andere Organismen ansiedeln.

Nicht jeder Mitbewohner ist automatisch gefährlich. Einige Milbenarten leben beispielsweise von Futterresten und organischem Material.

Eine massive Vermehrung von Milben kann jedoch ein Hinweis darauf sein, dass in der Kultur etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist – beispielsweise durch zu viel Futter oder Feuchtigkeit.

Auch andere unerwünschte Tiere können auftreten.

Ich hatte beispielsweise selbst bereits Probleme mit Buckelfliegen in einer Schabenzucht. Solche Erfahrungen sind für mich ein Grund, bei einer plötzlich schlechter laufenden Kultur nicht nur Temperatur und Futter zu kontrollieren, sondern die gesamte Box genauer anzusehen.

Warum sterben meine Schaben, obwohl sie sich vermehren?

Auch eine reproduzierende Kultur kann gleichzeitig Verluste haben.

Einzelne tote Tiere sind insbesondere bei größeren Populationen zunächst nichts Ungewöhnliches. Schließlich befinden sich Tiere unterschiedlichen Alters in der Kultur und adulte Schaben leben nicht unbegrenzt.

Problematisch wird es, wenn regelmäßig ungewöhnlich viele Tiere sterben oder die Population trotz Nachwuchs kontinuierlich kleiner wird.

Dann sollten Haltungsbedingungen, Futter, Feuchtigkeit, mögliche Schadstoffe und andere Auffälligkeiten überprüft werden.

Eine neue Schabenzucht braucht Zeit

Gerade bei kleinen Startgruppen wird die notwendige Zeit häufig unterschätzt.

Selbst wenn alle Bedingungen stimmen, muss zunächst eine Generation Nachwuchs produziert werden. Diese Jungtiere müssen anschließend wachsen und selbst geschlechtsreif werden, bevor die Population exponentiell zunehmen kann.

Der Unterschied zwischen einer frisch gestarteten Kultur und einer etablierten Zucht kann deshalb enorm sein.

Eine gut laufende Schabenzucht wirkt irgendwann möglicherweise so, als würde sie sich beinahe von selbst vermehren. Bis dieser Punkt erreicht ist, können jedoch mehrere Monate vergehen.

Was kann ich tun, damit sich meine Schaben besser vermehren?

Wenn eine Schabenzucht nicht richtig in Gang kommt, würde ich nicht wahllos einzelne Parameter verändern, sondern systematisch vorgehen.

Zunächst würde ich prüfen:

Art und Entwicklungsdauer → adulte Tiere und Geschlechterverhältnis → Temperatur → Ernährung → Feuchtigkeit → vorhandene Ootheken/Jungtiere → Zustand der gesamten Kultur.

Dadurch lässt sich das Problem häufig wesentlich besser eingrenzen.

Gleichzeitig sollte man nicht jeden zweiten Tag die Bedingungen verändern. Nach einer Anpassung benötigt die Kultur Zeit, um darauf zu reagieren.

Fazit

Wenn sich Schaben nicht vermehren, bedeutet das nicht automatisch, dass die Zucht gescheitert ist.

Besonders häufig spielen zu niedrige Temperaturen, eine noch nicht geschlechtsreife oder zu kleine Ausgangsgruppe, ein ungünstiges Geschlechterverhältnis, ungeeignete Feuchtigkeit oder schlicht zu wenig Zeit eine Rolle.

Auch Ernährung, Stress und Probleme innerhalb der Kultur können die Entwicklung beeinflussen.

Entscheidend ist dabei immer die konkrete Schabenart. Während sich manche Futtertierschaben unter geeigneten Bedingungen extrem schnell vermehren, benötigen andere Arten wesentlich mehr Geduld.

Wer die Bedürfnisse der jeweiligen Art berücksichtigt und eine stabile Zuchtgruppe aufbaut, bekommt langfristig meist eine wesentlich zuverlässigere Produktion – und genau das ist besonders wichtig, wenn die Schaben nicht nur als interessante Terrarientiere, sondern auch als dauerhaft verfügbare Futtertiere gehalten werden.

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