Mikroklima im Terrarium – Warum kleine Unterschiede entscheidend sind

Wer sich mit bioaktiver Terraristik beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Mikroklima. Gemeint sind damit kleine Bereiche innerhalb eines Terrariums, die sich in Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Luftbewegung deutlich von ihrer Umgebung unterscheiden.

Ein gut funktionierendes Mikroklima gehört zu den wichtigsten Grundlagen einer naturnahen Terrarienhaltung. Es ermöglicht den Tieren, selbst den Bereich aufzusuchen, der ihren aktuellen Bedürfnissen am besten entspricht.

Was versteht man unter einem Mikroklima?

Als Mikroklima bezeichnet man die klimatischen Bedingungen auf kleinem Raum.

Während im Zimmer beispielsweise überall etwa 22 °C herrschen können, entstehen im Terrarium viele unterschiedliche Klimazonen. Bereits wenige Zentimeter können darüber entscheiden, ob ein Bereich wärmer, kühler, trockener oder feuchter ist.

Diese Unterschiede entstehen ganz natürlich durch die Einrichtung und die Beleuchtung.

Wie entsteht ein Mikroklima im Terrarium?

Mehrere Faktoren beeinflussen das Mikroklima:

  • Beleuchtung und Wärmestrahlung
  • Bodengrund
  • Pflanzen
  • Wurzeln und Äste
  • Moose
  • Wasserflächen
  • Belüftung

Unter einer Lampe ist es meist etwas wärmer als im Schatten. Unter dichtem Pflanzenbewuchs bleibt die Luftfeuchtigkeit häufig länger hoch. Auch zwischen Laubschichten oder unter Korkrinden entstehen oft deutlich kühlere und feuchtere Bereiche.

Ein abwechslungsreich eingerichtetes Terrarium bietet dadurch zahlreiche unterschiedliche Mikrohabitate.

Warum ist das Mikroklima so wichtig?

In der Natur leben Tiere selten unter gleichbleibenden Bedingungen.

Auch im tropischen Regenwald gibt es Unterschiede zwischen sonnigen und schattigen Bereichen, trockeneren Ästen oder feuchtem Waldboden. Tiere wechseln je nach Tageszeit, Aktivität oder Bedürfnissen ihren Aufenthaltsort.

Genau dieses Verhalten sollte auch im Terrarium möglich sein.

Anstatt Temperatur oder Luftfeuchtigkeit überall identisch einzustellen, ist es meist sinnvoller, verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Bedingungen anzubieten.

So können die Tiere selbst wählen, wo sie sich gerade aufhalten möchten.

Mikroklima für Pfeilgiftfrösche

Gerade Pfeilgiftfrösche profitieren von einem abwechslungsreichen Mikroklima.

Feuchte Moospolster, Laubschichten, Bromelien oder schattige Bereiche unter Pflanzen bieten unterschiedliche Bedingungen, die von den Fröschen gezielt genutzt werden.

Oft lässt sich beobachten, dass die Tiere morgens sonnigere oder wärmere Plätze aufsuchen und sich später wieder in kühlere, feuchtere Bereiche zurückziehen.

Dieses natürliche Wahlverhalten trägt zum Wohlbefinden der Tiere bei.

Auch Futtertiere profitieren

Nicht nur die eigentlichen Terrarienbewohner nutzen verschiedene Klimazonen.

Springschwänze, Asseln und andere Bodenorganismen halten sich häufig dort auf, wo die Bedingungen für sie besonders günstig sind.

Während einige Asselarten eher feuchte Bereiche bevorzugen, suchen andere bewusst trockenere Stellen auf. Ein abwechslungsreiches Mikroklima unterstützt daher auch eine stabile Bodenfauna und trägt zu einem funktionierenden Bioaktiv-System bei.

Wie schafft man ein gutes Mikroklima?

Ein gutes Mikroklima entsteht nicht durch komplizierte Technik, sondern vor allem durch eine natürliche Gestaltung.

Hilfreich sind unter anderem:

  • dichter Pflanzenbewuchs
  • verschiedene Bodengrundhöhen
  • Laubschichten
  • Moose
  • Korkrinden und Wurzeln
  • Verstecke
  • unterschiedlich stark beleuchtete Bereiche

Je abwechslungsreicher ein Terrarium aufgebaut ist, desto mehr verschiedene Mikroklimata entstehen nahezu von selbst.

Das Mikroklima ist wichtiger als ein einzelner Messwert

Viele Einsteiger konzentrieren sich vor allem auf einen bestimmten Temperatur- oder Luftfeuchtigkeitswert.

In der Praxis sind diese Werte jedoch immer nur eine Momentaufnahme an einer einzigen Stelle im Terrarium.

Entscheidend ist vielmehr, dass unterschiedliche Bereiche mit verschiedenen Bedingungen vorhanden sind. Dadurch erhalten die Tiere die Möglichkeit, ihr bevorzugtes Klima selbst auszuwählen – genau wie in ihrem natürlichen Lebensraum.

Fazit

Ein Mikroklima beschreibt die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen innerhalb eines Terrariums. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung können sich bereits auf wenigen Zentimetern deutlich unterscheiden.

Gerade in naturnah eingerichteten, bioaktiven Terrarien entstehen solche Klimazonen ganz automatisch. Sie ermöglichen es Pfeilgiftfröschen, Mikrogeckos, Wirbellosen und vielen anderen Terrarienbewohnern, ihren Aufenthaltsort den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Ein abwechslungsreich gestaltetes Terrarium mit Pflanzen, Verstecken und unterschiedlichen Feuchtigkeits- und Temperaturbereichen kommt den natürlichen Lebensräumen deutlich näher als ein Terrarium mit überall identischen Bedingungen. Deshalb zählt ein funktionierendes Mikroklima zu den wichtigsten Bausteinen einer erfolgreichen und artgerechten Terrarienhaltung.

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