Lebendgebärende Zahnkarpfen wie Guppys, Endler-Guppys, Platys, Mollys oder Schwertträger gehören zu den beliebtesten Aquarienfischen. Gelegentlich erleben Aquarianer jedoch eine Überraschung: Ein vermeintliches Weibchen entwickelt plötzlich männliche Merkmale.
Dieses Phänomen wird häufig als „Spätmännchen“ bezeichnet.
Was ist ein Spätmännchen?
Als Spätmännchen bezeichnet man männliche Fische, die ihre Geschlechtsmerkmale erst deutlich später als ihre Geschwister entwickeln.
Während einige Männchen bereits in jungen Monaten ihre typische Färbung und das Gonopodium ausbilden, können andere Tiere lange Zeit wie Weibchen aussehen.
Erst mit zunehmendem Alter werden sie als Männchen erkennbar.
Woran erkennt man ein Spätmännchen?
Typische Anzeichen sind:
- Ausbildung eines Gonopodiums (umgewandelte Afterflosse)
- stärkere Färbung
- längere Flossen
- Balzverhalten gegenüber Weibchen
- schlankerer Körperbau
Oft wirkt das Tier über Monate wie ein normales Weibchen und verändert sich dann innerhalb weniger Wochen deutlich.
Warum entstehen Spätmännchen?
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt.
Eine wichtige Rolle spielen vermutlich:
- genetische Faktoren
- Rangordnung innerhalb der Gruppe
- Umweltbedingungen
- Wachstumsgeschwindigkeit
Insbesondere in Gruppen mit dominanten Männchen wird häufig beobachtet, dass manche Jungtiere ihre Entwicklung verzögert abschließen.
Sind Spätmännchen normal?
Ja.
Spätmännchen kommen bei vielen Lebendgebärenden regelmäßig vor und sind kein Anzeichen für eine Krankheit oder Haltungsfehler.
Besonders häufig wird das Phänomen bei:
- Endler-Guppys
- Guppys
- Schwertträgern
- Mollys
beobachtet.
Können Weibchen wirklich ihr Geschlecht wechseln?
Ein echtes Geschlechtswechseln findet bei den meisten Lebendgebärenden normalerweise nicht statt.
In den allermeisten Fällen handelt es sich um Spätmännchen, die bereits von Geburt an genetisch männlich waren, ihre Geschlechtsmerkmale jedoch erst später ausgebildet haben.
Welche Auswirkungen hat das auf die Zucht?
Spätmännchen können die Geschlechterverteilung einer Gruppe deutlich verändern.
Wer beispielsweise eine Gruppe vermeintlicher Weibchen kauft, kann Monate später plötzlich zusätzliche Männchen im Aquarium haben. So ist es mir selbst bei meinen Black Mollys ergangen.
Für die Zuchtplanung sollte dieses Phänomen daher berücksichtigt werden.
Fazit
Spätmännchen sind bei vielen lebendgebärenden Zahnkarpfen ein völlig normales Phänomen. Die Tiere entwickeln ihre männlichen Geschlechtsmerkmale erst verspätet und werden deshalb zunächst häufig für Weibchen gehalten.
Besonders bei Guppys, Endler-Guppys, Mollys und Schwertträgern sollte man deshalb bedenken, dass eine scheinbar weibliche Gruppe nicht zwangsläufig dauerhaft weiblich bleibt.



