Fortpflanzungstypen bei Schaben: Ootheken ablegen oder im Körper austragen?
Wer verschiedene Schabenarten hält oder züchtet, stellt schnell fest, dass sich nicht alle Arten auf die gleiche Weise fortpflanzen. Zwar produzieren weibliche Schaben grundsätzlich Eier, diese werden jedoch in einer sogenannten Oothek zusammengefasst. Was anschließend mit dieser Oothek geschieht, unterscheidet sich je nach Art deutlich.
Bei vielen Arten wird die Oothek nach ihrer Bildung abgelegt. Andere Schaben behalten sie dagegen im Körper, bis die Jungtiere weit entwickelt sind und schließlich lebend zur Welt kommen. Beide Fortpflanzungsstrategien haben ihre eigenen Vor- und Nachteile und wirken sich auch auf die Zucht in Gefangenschaft aus.
Was ist eine Oothek?
Eine Oothek ist eine schützende Eikapsel, in der sich mehrere Eier befinden. Statt jedes Ei einzeln abzulegen, fasst das Weibchen sie auf diese Weise zusammen.
Wie viele Eier beziehungsweise Jungtiere eine Oothek hervorbringt, hängt stark von der jeweiligen Schabenart ab. Auch Form und Größe der Ootheken unterscheiden sich.
Besonders interessant ist jedoch, dass die Oothek nicht bei allen Schaben nach ihrer Bildung dauerhaft außerhalb des Körpers bleibt.
Schaben, die ihre Ootheken ablegen
Die wahrscheinlich bekannteste Fortpflanzungsstrategie besteht darin, dass das Weibchen eine fertige Oothek ablegt. Die Eier entwickeln sich anschließend unabhängig vom Muttertier weiter, bis die jungen Schaben aus der Oothek schlüpfen.
Diese Form der Fortpflanzung wird als Oviparie bezeichnet. Die Tiere sind entsprechend ovipar, also eierlegend.
Ein gutes Beispiel aus meiner eigenen Haltung ist die Schokoschabe (Shelfordella lateralis). Bei einer gut laufenden Zucht findet man regelmäßig zahlreiche Ootheken im Substrat und zwischen der Einrichtung der Zuchtbox.
Für das Weibchen hat diese Strategie einen offensichtlichen Vorteil: Nach dem Ablegen muss es die sich entwickelnden Eier nicht über einen langen Zeitraum mit sich herumtragen. Außerdem kann die nächste Oothek vergleichsweise schnell produziert werden.
Für die Eier entsteht dadurch allerdings ein zusätzliches Risiko. Nach der Ablage sind sie den Bedingungen ihrer Umgebung unmittelbar ausgesetzt. Zu trockene oder anderweitig ungeeignete Bedingungen können die Entwicklung beeinträchtigen. Auch Fressfeinde oder andere Bewohner einer Zuchtbox können grundsätzlich eine Gefahr darstellen.
Für die Zucht kann das gleichzeitig praktisch sein: Die Ootheken lassen sich erkennen und bei Bedarf sogar gezielt absammeln und separat inkubieren.
Schaben, die ihre Oothek im Körper austragen
Andere Schaben verfolgen eine andere Strategie. Das Weibchen bildet ebenfalls eine Oothek, behält diese jedoch während der weiteren Entwicklung der Jungtiere bei sich. Bei vielen dieser Arten wird die zunächst gebildete Oothek kurzzeitig aus dem Hinterleib herausgeschoben, anschließend gedreht und wieder in eine spezielle Bruttasche im Hinterleib eingezogen. Dort entwickeln sich die Eier weiter.
Je nach genauer Art der Versorgung des Nachwuchses unterscheidet man dabei verschiedene Formen der Ovoviviparie beziehungsweise Viviparie. Bei ovoviviparen Arten entwickeln sich die Embryonen innerhalb ihrer Eier und werden hauptsächlich vom Dotter ernährt, während bei viviparen Formen zusätzlich eine Versorgung durch das Muttertier stattfindet. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden beide Varianten häufig vereinfacht als „lebendgebärend“ bezeichnet.
Die Jungtiere verlassen ihre Eihüllen schließlich unmittelbar vor oder während der Geburt, sodass für den Halter bereits fertig entwickelte kleine Schaben erscheinen.
Interessant ist dabei, dass das Austragen der Oothek kein vollkommen geschlossenes System darstellt. Unter ungünstigen Bedingungen oder in Gefahrensituationen können Weibchen ihre Oothek vorzeitig ausstoßen. Je nachdem, wie weit die Entwicklung zu diesem Zeitpunkt bereits fortgeschritten ist und unter welchen Bedingungen die ausgestoßene Oothek anschließend liegt, kann sich der Nachwuchs trotzdem noch weiterentwickeln und schlüpfen. Eine ausgeworfene Oothek bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass der gesamte Nachwuchs verloren ist. Darauf ist besonders beim Verfüttern adulter Dubia-Weibchen zu achten. Mir ist es bereits passiert, dass ich im Vogelspinnen-Terrarium anschließend eine Oothek oder auch Nymphen gefunden habe.
Welche Strategie ist für die Zucht besser?
Eine grundsätzlich „bessere“ Strategie gibt es nicht. Beide funktionieren in der Natur offensichtlich erfolgreich und auch in der Terraristik lassen sich Vertreter beider Gruppen sehr gut vermehren.
Für den Züchter ergeben sich aber unterschiedliche Eigenschaften.
Bei oothekenablegenden Arten kann eine große Zahl von Ootheken gleichzeitig im Behälter liegen und sich unabhängig von den Weibchen entwickeln. Unter passenden Bedingungen können die Bestände dadurch sehr schnell anwachsen. Gleichzeitig reagieren die abgelegten Ootheken unmittelbar auf die Bedingungen im Behälter.
Bei Arten, welche ihre Ootheken austragen, sind die Eier besser geschützt. Dafür hängt der Nachwuchs bis zur Geburt stärker vom jeweiligen Weibchen ab. Stirbt ein trächtiges Weibchen oder kommt es zu Problemen während der Entwicklung, betrifft das entsprechend auch seinen Nachwuchs.
Wie vermehren sich meine Schabenarten?
Auch unter den Schaben, die ich selbst halte und teilweise als Futtertiere züchte, finden sich beide Fortpflanzungsstrategien.
Ootheken werden abgelegt:
- Shelfordella lateralis (Schokoschabe): Die Weibchen legen ihre Ootheken ab. Bei einer produktiven Zucht können sich entsprechend viele Ootheken gleichzeitig im Behälter befinden.
- Nocticola vagus: Auch bei dieser kleinen Schabenart werden Ootheken abgelegt.
- Paraplecta minutissima (Keniaschabe): Die Ootheken werden ebenfalls außerhalb des Körpers abgelegt.
Die Oothek wird ausgetragen:
- Blaptica dubia (Argentinische Waldschabe): Die Oothek wird vom Weibchen wieder in den Körper eingezogen und dort bis zur Entwicklung der Jungtiere getragen.
- Gromphadorhina portentosa (Madagaskar-Fauchschabe): Auch Fauchschaben bringen nach der Entwicklung im Muttertier lebende Jungtiere zur Welt.
- Archimandrita tesselata (Pfefferschabe): Die Weibchen tragen die Oothek ebenfalls aus und setzen schließlich bereits geschlüpfte Jungtiere ab.
Bei weiteren Arten lohnt sich immer ein genauer Blick auf deren Fortpflanzungsbiologie, denn selbst innerhalb der Schaben gibt es einige Besonderheiten und die vereinfachte Einteilung in „Oothek ablegen“ und „lebendgebärend“ bildet nicht jedes biologische Detail vollständig ab.
Fazit
Schaben verfolgen unterschiedliche Strategien, um ihren Nachwuchs bis zum Schlupf zu schützen. Einige Arten wie Shelfordella lateralis legen ihre Ootheken ab, sodass sich die Eier unabhängig vom Weibchen entwickeln. Andere Arten wie Blaptica dubia oder Gromphadorhina portentosa behalten die Oothek dagegen während der Entwicklung der Jungtiere bei sich.
Für die Zucht sind beide Strategien interessant. Abgelegte Ootheken ermöglichen bei einigen Arten eine sehr schnelle Vermehrung, sind dafür stärker von den Bedingungen ihrer Umgebung abhängig. Das Austragen der Oothek schützt den Nachwuchs besser, bindet die Fortpflanzung jedoch länger an das einzelne Weibchen.
Wer weiß, zu welchem Fortpflanzungstyp die eigene Schabenart gehört, kann außerdem einige Beobachtungen in der Zucht wesentlich besser einordnen – vom plötzlichen Auftauchen zahlreicher Ootheken bis hin zum scheinbar überraschenden Erscheinen vieler fertig entwickelter Jungtiere.
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Blaptica dubia (Argentinische Waldschabe)
1,00€ – 3,00€ -
Gromphadorhina portentosa (Madagaskar-Fauchschabe)
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6,00€ – 10,00€ -
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