Kann man Mantiden zusammen halten und vergesellschaften?

Mantiden sind faszinierende Lauerjäger, die in der Terraristik häufig einzeln gehalten werden. Doch ist das wirklich notwendig oder kann man mehrere Gottesanbeterinnen gemeinsam in einem Terrarium halten? Und wie sieht es mit einer Vergesellschaftung mit anderen Tieren aus?

Die meisten Mantiden sollten einzeln gehalten werden. Viele Arten können Artgenossen als Konkurrenten oder sogar als potenzielle Beute betrachten. Besonders mit zunehmender Größe steigt bei vielen Arten das Risiko von Kannibalismus.

Es gibt allerdings Mantidenarten, bei denen unter geeigneten Bedingungen eine Gruppenhaltung möglich sein kann.

Auch eine Vergesellschaftung mit anderen Tieren ist nicht grundsätzlich unmöglich, sollte aber sehr kritisch betrachtet werden. Schließlich handelt es sich bei Mantiden um räuberisch lebende Insekten.

Sind Mantiden Einzelgänger?

Viele Mantiden leben nicht in sozialen Gruppen und benötigen für ihr Wohlbefinden keinen Artgenossen.

Eine einzelne Mantide leidet deshalb nicht darunter, dass sie alleine im Terrarium sitzt.

Für die Haltung ist das sogar von Vorteil: Bei der Einzelhaltung gibt es keine Konkurrenz um Futter und Häutungsplätze und kein Risiko, dass ein Artgenosse die Mantide angreift oder frisst.

Die Einzelhaltung ist deshalb bei den meisten Mantiden die unkomplizierteste und sicherste Haltungsform.

Fressen Mantiden ihre Artgenossen?

Ja, Kannibalismus kommt bei Mantiden vor.

Mantiden sind opportunistische Jäger. Ein anderes Tier in passender Größe kann entsprechend als Beute wahrgenommen werden – und dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine andere Tierart handeln.

Das bedeutet nicht, dass zwei gemeinsam gehaltene Mantiden zwangsläufig sofort aufeinander losgehen. Eine Gruppenhaltung kann zunächst vollkommen problemlos wirken.

Genau darin liegt allerdings ein Risiko: Nur weil zwei Tiere mehrere Wochen friedlich nebeneinander leben, bedeutet das nicht, dass dies dauerhaft so bleiben muss.

Kann man junge Mantiden zusammen halten?

Bei manchen Arten können insbesondere kleine Nymphen zeitweise gemeinsam aufgezogen werden.

Das Risiko hängt dabei unter anderem von der jeweiligen Art, der Größe der Tiere, dem verfügbaren Platz und dem Futterangebot ab.

Auch bei Jungtieren sollte man allerdings damit rechnen, dass Kannibalismus auftreten kann.

Wer möglichst sicher vermeiden möchte, einzelne Tiere durch Artgenossen zu verlieren, ist daher auch bei der Aufzucht mit einer getrennten Haltung auf der sicheren Seite.

Gibt es Mantiden, die man in Gruppen halten kann?

Ja. Manche Arten gelten als vergleichsweise verträglich und können unter passenden Bedingungen in Gruppen gehalten werden.

„Gruppenhaltung möglich“ bedeutet allerdings nicht automatisch, dass man beliebig viele Tiere in ein kleines Terrarium setzen kann.

Entscheidend sind unter anderem:

  • ausreichend Platz,
  • viele geeignete Sitz- und Rückzugsmöglichkeiten,
  • genügend Futter,
  • möglichst ähnliche Größen der Tiere
  • und eine Mantidenart, bei der Gruppenhaltung grundsätzlich als möglich gilt, z.B. Phyllocrania paradoxa.

Auch dann sollte man die Tiere beobachten und eine Möglichkeit zur Trennung bereithalten.

Warum ist ausreichend Futter bei Gruppenhaltung wichtig?

Eine hungrige Mantide dürfte eher versuchen, geeignete Beute zu überwältigen.

Bei mehreren Mantiden im selben Terrarium sollte deshalb besonders darauf geachtet werden, dass jedes einzelne Tier ausreichend Futter erhält.

Es reicht nicht unbedingt, einfach einige Futtertiere ins Terrarium zu geben. Bei einer Gruppe kann ein dominanteres oder geschickteres Tier einen großen Teil der Beute erwischen, während ein anderes regelmäßig zu kurz kommt.

Deshalb sollte man bei einer Gruppenhaltung auch den Ernährungszustand der einzelnen Tiere beobachten.

Warum brauchen mehrere Mantiden viel Platz?

Mehr Platz schafft Abstand.

In einem entsprechend strukturierten Terrarium können sich die Tiere aus dem Weg gehen und unterschiedliche Aufenthaltsplätze nutzen.

Auch Sichtbarrieren durch Pflanzen und andere Einrichtung können dabei hilfreich sein.

Ein größeres Terrarium beseitigt das Kannibalismusrisiko allerdings nicht vollständig. Zwei Mantiden können sich natürlich auch in einem großen Terrarium begegnen.

Sind Häutungen bei Gruppenhaltung problematisch?

Das ist ein weiterer wichtiger Punkt.

Während und unmittelbar nach einer Häutung ist eine Mantide besonders verletzlich. Das neue Außenskelett ist zunächst weich und das Tier kann sich nicht normal verteidigen.

Ein Artgenosse im selben Terrarium kann deshalb gerade in dieser Phase problematisch werden.

Außerdem müssen ausreichend geeignete Häutungsplätze vorhanden sein, an denen die Tiere genügend freien Raum unter sich haben.

Auch bei grundsätzlich gruppentauglichen Arten sollte die Häutungsphase deshalb aufmerksam beobachtet werden.

Kann man männliche und weibliche Mantiden zusammen halten?

Nur weil man ein Männchen und ein Weibchen besitzt, sollten die beiden nicht automatisch dauerhaft gemeinsam gehalten werden.

Bei vielen Mantiden besteht auch zwischen den Geschlechtern ein Kannibalismusrisiko. Besonders bekannt ist der Sexualkannibalismus, bei dem das Weibchen das Männchen im Zusammenhang mit der Paarung frisst.

Das passiert keineswegs bei jeder Paarung, das Risiko sollte bei Zuchtversuchen aber berücksichtigt werden.

Für eine gezielte Verpaarung können die Tiere kontrolliert zusammengesetzt werden. Daraus folgt jedoch nicht, dass ein Paar anschließend dauerhaft zusammenleben sollte.

Kann man verschiedene Mantidenarten zusammen halten?

Davon würde ich grundsätzlich abraten.

Unterschiedliche Mantidenarten haben möglicherweise verschiedene Ansprüche an Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Einrichtung und Fütterung.

Noch wichtiger ist aber: Für eine Mantide ist eine andere Mantidenart nicht automatisch ein friedlicher Mitbewohner.

Bei entsprechenden Größenverhältnissen kann eines der Tiere als Beute enden.

Verschiedene Mantidenarten würde ich deshalb getrennt halten.

Kann man Mantiden mit anderen Tieren vergesellschaften?

Auch hier wäre ich sehr zurückhaltend.

Mantiden sind Räuber. Kleinere Tiere können deshalb als potenzielle Beute betrachtet werden. Gleichzeitig können größere oder wehrhafte Mitbewohner wiederum für die Mantide selbst gefährlich werden.

Hinzu kommt die Fütterung. Eine Mantide muss zuverlässig ausreichend Nahrung erhalten, während andere Tiere im selben Terrarium möglicherweise um dieselben Futterinsekten konkurrieren.

Eine Vergesellschaftung sollte deshalb niemals nur danach beurteilt werden, ob sich zwei Tierarten unmittelbar gegenseitig angreifen.

Kann man Mantiden mit Geckos halten?

Eine gemeinsame Haltung würde ich nicht empfehlen.

Je nach Größenverhältnis entsteht das Problem in beide Richtungen: Eine große Mantide kann sehr kleine Geckos beziehungsweise Jungtiere als potenzielle Beute betrachten. Ein größerer Gecko kann dagegen die Mantide erbeuten oder verletzen.

Auch wenn beide Arten auf den ersten Blick ähnliche klimatische Bedingungen benötigen, macht sie das noch nicht zu geeigneten Mitbewohnern.

Ähnliche Haltungsparameter sind lediglich eine Voraussetzung für eine Vergesellschaftung – kein Beweis dafür, dass sie sinnvoll ist.

Kann man Mantiden mit Fröschen halten?

Auch eine Vergesellschaftung mit Fröschen würde ich nicht empfehlen.

Kleine Frösche können abhängig von ihrer Größe potenziell von größeren Mantiden angegriffen werden. Umgekehrt ernähren sich viele Frösche selbst von Wirbellosen und könnten eine Mantide beziehungsweise insbesondere kleinere Nymphen als Futter betrachten.

Dazu kommt erneut die Konkurrenz um angebotene Futtertiere.

Gerade bei kleinen Pfeilgiftfröschen und Mantiden sehe ich daher keinen sinnvollen Vorteil, der die zusätzlichen Risiken rechtfertigen würde.

Was ist mit Asseln und Springschwänzen?

Hier sieht die Situation anders aus.

Springschwänze und kleine Asseln werden häufig als Bodenpolizei in bioaktiven Terrarien eingesetzt. Sie verwerten organisches Material und leben überwiegend im beziehungsweise auf dem Bodengrund.

Eine solche Bodenpolizei würde ich nicht mit einer klassischen Vergesellschaftung mehrerer Terrarientiere gleichsetzen.

Je nach Größe können einzelne Asseln oder Springschwänze natürlich trotzdem als Beute enden. Bei einer etablierten Population ist das normalerweise kein grundsätzliches Problem.

Bei sehr kleinen Mantidennymphen können Springschwänze sogar als entsprechend kleines Futter interessant sein.

Kann man Mantiden in einem Gesellschaftsterrarium halten?

Theoretisch lassen sich Situationen konstruieren, in denen verschiedene Tiere längere Zeit gemeinsam leben. Die wichtigere Frage ist für mich aber:

Welchen Vorteil haben die Tiere davon?

Eine Vergesellschaftung sollte nicht allein deshalb erfolgen, weil mehrere Arten irgendwie in dasselbe Terrarium passen.

Man muss unter anderem berücksichtigen:

  • Stimmen Temperatur und Luftfeuchtigkeit für alle Arten?
  • Gibt es ausreichend Platz?
  • Können sich die Tiere gegenseitig verletzen?
  • Besteht ein Räuber-Beute-Verhältnis?
  • Konkurrieren sie um Futter?
  • Werden Häutungen beeinträchtigt?
  • Kann jedes Tier ausreichend kontrolliert werden?
  • Was passiert mit Jungtieren?

Gerade bei Mantiden kommt hinzu, dass sie selbst spezialisierte Räuber sind.

Ein eigenes Terrarium ist deshalb meistens die wesentlich kontrollierbarere Lösung.

Was tun, wenn sich gemeinsam gehaltene Mantiden angreifen?

Die Tiere sollten getrennt werden.

Wer eine Mantidenart in Gruppen hält, sollte deshalb bereits vorher eine Möglichkeit zur Einzelhaltung besitzen.

Nicht erst nach einem Angriff sollte überlegt werden, wo das zweite Tier untergebracht werden kann.

Auch auffällige Größenunterschiede, schlechte Futteraufnahme einzelner Tiere oder andere Probleme können Gründe sein, eine Gruppe zu trennen.

Muss eine Mantide alleine gehalten werden?

Bei vielen Arten würde ich die Frage praktisch mit ja beantworten beziehungsweise zumindest die Einzelhaltung empfehlen.

Es gibt Ausnahmen, bei denen eine Gruppenhaltung funktionieren kann. Das sollte allerdings artspezifisch entschieden werden und nicht anhand der allgemeinen Aussage, dass manche Mantiden miteinander verträglich sind.

Wer eine bestimmte Art halten möchte, sollte deshalb gezielt prüfen, ob diese Art für eine Gruppenhaltung geeignet ist.

Im Zweifel ist die Einzelhaltung die sicherere Variante.

Fazit

Die meisten Mantiden würde ich einzeln halten.

Mantiden sind räuberische Insekten und können auch Artgenossen angreifen und fressen. Besonders bei ungeeigneten Platzverhältnissen, Größenunterschieden oder mangelndem Futter kann eine gemeinsame Haltung problematisch werden.

Bei einigen vergleichsweise verträglichen Arten ist eine Gruppenhaltung unter geeigneten Bedingungen möglich. Auch dort sollten die Tiere beobachtet und bei Problemen getrennt werden können.

Von der gemeinsamen Haltung unterschiedlicher Mantidenarten würde ich ebenso abraten wie von einer Vergesellschaftung mit Geckos, Fröschen oder anderen größeren Terrarientieren. Der mögliche Nutzen steht für mich in den meisten Fällen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den zusätzlichen Risiken.

Springschwänze und geeignete Asseln als Bodenpolizei sind davon zu unterscheiden und können auch in einem Mantidenterrarium sinnvoll eingesetzt werden.

Wer mehrere Mantiden halten möchte, fährt deshalb in den meisten Fällen mit separaten Terrarien für die einzelnen Tiere am sichersten.

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